bedeckt München 18°
vgwortpixel

Musical:Über den Tanz zu sich selbst

Saturday Night Fever

Ikonische Pose: Wer zu "Saturday Night Fever" geht, bekommt John Travolta. Die Neuauflage des Tanzfilms als Musical soll so nah wie möglich am Original bleiben.

(Foto: Pamela Raith)

Der Discoklassiker "Saturday Night Fever" kommt ins Deutsche Theater

Am ehesten könnte man das Deutsche Theater an diesen Tagen mit einer Tanzschule verwechseln. Denn noch von den Faschingsbällen liegt das Parkett in der Mitte des großen Saals aus, wo sich bald wieder Stuhl an Stuhl reihen soll. Tanz ist auch das Motto des Musicals, das von April an für zwei Wochen hier gastieren wird: Denn der britische Theaterproduzent Bill Kenwright, der auch für opulente Andrew Lloyd Webber-Inszenierungen verantwortlich ist, schuf eine Neuauflage des Discoklassikers "Saturday Night Fever"; jenem Stück also, das bereits mannigfaltig auf Musicalbühnen gespielt wurde und auch dem deutschen Publikum bestens bekannt sein dürfte - unter anderem in der Inszenierung mit "DSDS"-Gewinner Alexander Klaws als tanzender Badboy Tony Manero.

Davon unbeirrt fetzt der neue Tony William Bozier an diesem Tag übers Parkett des Deutschen Theaters. Er wird den Tony zum ersten Mal tanzen, obgleich das Stück schon seit 2018 in England zu sehen ist. Zum Promo-Termin an seiner künftigen Spielstätte in München hat er den Travolta-typischen, weißen Anzug angezogen. Er reckt einen Finger in die Luft - zu jener Pose, die den Film nebst Hauptdarsteller John Travolta 1977 berühmt gemacht hat. Dafür kommt er direkt aus New York. Denn dort verkörperte der 28 Jahre alte Brite eine Rolle, die der des Tony quasi diametral gegenübersteht: Der Schwan aus Tschaikowskys Klassiker "Schwanensee", allerdings in der Choreografie von Matthew Bourne, der die traditionellen Ballerinenrollen der Schwäne mit Männern besetzte - eine Partie, die als eine der tänzerisch schwierigsten überhaupt gilt und zugleich auch eine provokative GenderStudie ist.

Doch nun gibt es statt Orchesterklängen also synthetische Discobeats und statt psychisch komplexer Figuren den New Yorker Tony, der sich trotz seiner platten Machosprüche nach Selbstverwirklichung und Liebe sehnt. Eine Herausforderung für William Bozier? Nein, meint er. "Tony drückt sich aus, indem er tanzt. Genau wie ich." Schon als Kind habe er die ikonischen Hüftschwünge John Travoltas nachgetanzt. Und Erfahrung in populären Musicals hat er ohnehin: So stand Bozier bereits vor zehn Jahren mit "Mamma Mia" unter anderem in München auf der Bühne und tanzte zwei Jahre in der Erfolgsproduktion "Wicked".

Von John Travoltas schwülstiger Tony-Verkörperung möchte er so wenig abweichen wie nur möglich: "Die Leute kommen, um John zu sehen. Wir versuchen also, eng am Original zu bleiben", sagt Bozier. Goldkette, aufgeknöpftes Hemd und schwarze Haartolle werden Pflichtgarderobe sein.

Es gibt keine Überraschungen in der Neuinszenierung des Tanzfilms? Doch, meint Bozier. Mit drei Live-Musikern als Bee Gees werde dem Originalsoundtrack in Kenwrights Inszenierung viel Platz eingeräumt. Man darf also mit "Stayin' Alive" und "How Deep Is Your Love" viel Wohliges und Altbekanntes erwarten. Wirklich innovativ ist das Vorhaben nicht, "Saturday Night Fever" ist äußerst populär, und Musical-Adaptionen bekannter Filme gibt es sowieso im Überfluss: Mit "Fack ju Göthe - das Musical" oder "Die fabelhafte Welt der Amélie" sind Münchner Bühnen bereits in den letzten Jahren großzügig damit bespielt worden, beide Stücke übrigens mit eher bescheidenen Zuschauerzahlen. Trotzdem zeigt sich der Sprecher des Deutschen Theater Georg Kleesattel zufrieden mit dem bereits angelaufenen Vorverkauf für "Saturday Night Fever".

Ob es dem Musical letztlich gelingt, aus der schieren Masse an Musicalproduktionen bekannter Filme herauszustechen, wird sich vom 1. April an zeigen. Fürs Deutsche Theater wird es die erste Inszenierung von "Saturday Night Fever" in der englischsprachigen Originalversion sein. Kein Zufall, meint Kleesattel: "Wir werden in der nächsten Zeit verstärkt Produktionen in englischer Fassung zeigen. Es wird nachgefragt."

Zunächst aber gastiert das nunmehr frisch zusammengewürfelte Ensemble um William Bozier im Musical-Eldorado London, bevor im Frühjahr die Termine in Deutschland mit Köln und München folgen. Ein bisschen Zeit zum Üben bleibt also noch. Wobei Boziers Hüftschwung auch jetzt schon überzeugt.

Saturday Night Fever, Mittwoch, 1. April bis Sonntag, 19. April, verschiedene Uhrzeiten, Deutsches Theater, Schwanthalerstraße 13

© SZ vom 25.02.2020
Zur SZ-Startseite