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Museumsviertel:Simple Wegweiser im Kunstareal reichen nicht

"Begleitsystem" nennen sich diese schlichten Stäbe im Kunstareal München.

Seit sieben Jahren wird debattiert, wie das Museumsviertel gemeinsam vermarktet werden könnte. Passiert ist so wenig, dass nun schon ein paar Infoschilder als Sensation gefeiert werden.

Kommentar von Stefan Mühleisen

Es ist verblüffend, mit welcher Selbstverständlichkeit beim Thema Kunstareal das große Trara inszeniert wird. Da laden Museumsdirektoren, Kultusminister und Stadtbaurätin zur Pressekonferenz; es ist die Rede von einem "historischen Moment", von einem "wichtigen Meilenstein". Oho! Der Traum vom Kunst-Kollektiv, wird er nun Realität?

Es stellt sich heraus: Der Meilenstein sollen 21 schlichte Stelen mit schlichten Sitzen drumherum sein, "Begleitsystem" genannt. Es sind jedoch schlicht Infosäulen, die Besuchern den Weg weisen zu den Museen und Ausstellungshäusern. Wegweiser also, ein Meilenstein? Das soll wohl ein Witz sein.

Seit 2009 wird von den Akteuren in Politik, Verwaltung und Kulturbetrieb das Kunstareal euphorisch herbeigeredet: Die vielen Museen dort sollen endlich gemeinsam vermarktet werden. Passiert ist nicht viel. Dabei irren in dem 66 Hektar großen Gebiet seit Jahren die Touristen umher. Sie finden die Museen nicht, weil es kaum Schilder gibt. Wegweiser aufzustellen, war also überfällig, Kunstareal hin oder her. Es mag ja sinnvoll sein, das "Begleitsystem" in einem konsistenten Design zu präsentieren.

Aber warum sollen nun alle glauben, dies sei ein Durchbruch? Von einem solchen könnte man sprechen, wenn endlich das gemeinsame Museumsticket eingeführt und eine zentrale Anlaufstelle etabliert würden. Das wären Meilensteine, doch zu hören war bei der Pressekonferenz nur der Satz, den man dazu schon seit Jahren hört: "Daran arbeiten wir."

Echte historische Momente zum Kunstareal sind so schnell nicht zu erwarten. Es bleibt das Problem, staatliche und städtische Institutionen mit Dutzenden Akteuren unter einen Hut zu bringen. Womöglich konnte einigen Museumschefs auch noch nicht die Angst davor ausgeredet werden, einen mächtigen Kunstareal-Kurator vor die Nase gesetzt zu bekommen. Auch die Stadtreparatur am Altstadtring - ein Schritt zur Verbesserung der Verkehrssituation - wird noch Jahre auf sich warten lassen. Für Trara also kein Anlass.

© SZ vom 27.10.2016/vewo
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