Museumsquartier Mehr Kommerz für die Kultur

Münchens Museumsquartier gilt als weltweit einzigartig. Es könnte nur mehr Strahlkraft besitzen.

(Foto: Stephan Rumpf)

Geredet wurde schon viel. Geschehen ist bislang kaum etwas bei der Vernetzung von Kunst, Kultur und Wissenschaft des "Kunstareals". Jetzt kommt Bewegung in die Debatte.

Von Stefan Mühleisen

Seit Jahren wird viel geredet über die Vernetzung von Kunst-, Kultur- und Wissenschaftseinrichtungen im Münchner Museumsquartier, passiert ist kaum etwas. Doch nun soll das Vorhaben "Kunstareal" Fahrt aufnehmen. Die Chefs der Museen und Kultureinrichtungen sind sich nach Angaben von Guido Redlich, dem Vorsitzenden des Förderkreises Kunstareal, einig über das weitere Verfahren.

Nach seinen Worten soll bis Jahresende eine regelmäßig tagende Vollversammlung eingerichtet werden, die mit allen Beteiligten besetzt ist. Indes bleibt weiter offen, wie die Entwicklung und Vermarktung des Kunst-Verbundes finanziert werden sollen. "Wir erwarten ein deutliches Zeichen von der Politik, sowohl von städtischer als auch von staatlicher Seite", sagte Redlich der Süddeutschen Zeitung.

Ein weltweit einzigartiges Kultur-Konglomerat

Rund um die Pinakotheken, zwischen Heß-, Türken-, Karlstraße und Richard-Wagner-Straße, hat München ein Kultur-Konglomerat zu bieten, das als weltweit einzigartig gilt: 16 Museen und Ausstellungshäuser, sechs Hochschulen, zwölf bedeutende kulturelle Einrichtungen und 40 Galerien. 2009 entstand die Idee, all diese Institutionen unter der Marke "Kunstareal" zu verbinden. Stadt und Freistaat einigten sich auf ein Aktionsprogramm. Der Plan: Das Label Kunstareal soll den verstreuten Häusern - und damit auch München als Kunststadt - internationale Strahlkraft verleihen. Sichtbar wurde die Kooperation allerdings bisher nur bei zwei Kunstareal-Festen.

Deutlich wahrnehmbar wird die Verbund-Marke erstmals im Frühjahr 2016 sein, wenn das öffentliche Informationssystem aufgestellt ist: Wegweiser-Stelen, in einheitlichem Design, werden über das 66 Hektar große Gebiet verteilt. Zeitgleich soll der Name Kunstareal an Haltestellen von Bus und Tram präsent sein. "Wir prüfen gerade, wie und wo wir den Begriff verankern", sagt Matthias Korte, Sprecher der Münchner Verkehrsbetriebe (MVG). Es gebe verschiedene Ansätze, darunter auch die Idee, eine oder mehrere Haltestellen mit dem Zusatz Kunstareal zu versehen. Schon zum Jahreswechsel ist zudem ein Relaunch der Kunstareal-Internetseite geplant. Unterdessen verlangen die Kultur-Institutionen, dass Staat und Stadt enger kooperieren - und auch mehr Geld locker machen.

Die Einführung eines Kunstareal-Tickets als oberste Priorität

"Wir wollen, dass das Pflänzchen endlich gedeiht", sagt die Direktorin des Ägyptischen Museums, Sylvia Schoske. Am wichtigsten findet sie die Einführung eines Kunstareal-Tickets als Eintrittskarte für alle Museen. Das ist bisher daran gescheitert, staatliche und städtische Einrichtungen und Abrechnungssysteme unter einen Hut zu bekommen. Schoske dringt zudem auf bessere Verkehrsführung und eine zentrale Anlauf- und Informationsstelle.

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