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Museum:"Das Gedankengut fließt ungehindert in seine Arbeit ein"

Welche Lager er meinen könnte, hat sich in der vergangenen Woche zu einem Teil offenbart. Während ein Teil der Belegschaft für den Personalverwalter demonstriert hatte, distanzierten sich andere ausdrücklich davon. Es gibt aber auch andere Frontverläufe im Inneren des Hauses: Enwezors Verhältnis zum Betriebsrat gilt als zerrüttet. Ein Teil der Mitarbeiter hat bei der Leitung schon wiederholt über extreme "Überlastung" geklagt. Enwezor selbst indes bedauert, dass im Haus nichts vertraulich bleibe. Jeder verfolge eine eigene Agenda.

Ein Mann, der seine Agenda jahrelang stark verfolgt habe, so zumindest die Schilderung verschiedener Mitarbeiter, sei der freigestellte Personalverwalter gewesen. Der Süddeutschen Zeitung liegen mehrere Schriftstücke aus dem Jahr 2016 vor, in denen Beschäftigte schildern, wie dies geschehen sein soll. "Bei dem Herrn läuft alles nach dem Credo ,Quid pro quo'", heißt es in einem der Schreiben. "Tut man ihm einen Gefallen, hat man mehr Privilegien (in meinem Fall: mehr Einteilung an der Kasse und die Möglichkeit freiberuflich anderweitig tätig zu sein). Konnte man einmal nicht einspringen, wurde er wütend ..." Es sei großer psychischer Druck ausgeübt worden. Die betroffene Person schreibt, dass ihr der eigene Arbeitsvertrag lange nicht ausgehändigt worden sei. Dies sei erst geschehen, als sie den Betriebsrat eingeschaltet und angekündigt habe, sich rechtlichen Beistand zu nehmen.

Ein anderer Mitarbeiter schrieb im Februar 2016 in einem Brief an ein Mitglied des Aufsichtsrats: "Ich würde hier nicht schreiben, wenn der genannte Herr Scientology nur im Privaten handhaben würde. Das Gedankengut fließt ungehindert in seine Arbeit ein." Dies sei auch ein Grund, weshalb es zur Gründung des Betriebsrates im Haus der Kunst gekommen sei. Weiter schildert der Mitarbeiter, dass der Personalverwalter nie Wochenend-Dienste gemacht habe. "Er sagte, er müsse am Wochenende in der Dianetik in Schwabing arbeiten. Einmal hat er drei Aufsichten eingeladen, sich doch einmal die Dianetik anzuschauen." Das sogenannte Dianetik-Zentrum in Schwabing ist einer der Scientology-Standorte in München.

© SZ vom 03.03.2017/ebri
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