Wenn Museen runde Geburtstage feiern, wird in der Regel der Tag der Gründung zelebriert. Anders das Museum Fünf Kontinente: Es feiert einen Umzug. Am 12. Juli 1926 bezog die damalige völkerkundliche Sammlung ihr heutiges Zuhause an der Maximilianstraße 42. Genau ein Jahrhundert später lädt es zum Jubiläumsfest ein.
Die Geschichte des Museums hat woanders begonnen. Ihre Ursprünge reichen zu einer 1862 angelegten königlich-ethnographischen Sammlung zurück, einer der ältesten ihrer Art in Deutschland. Mit Moritz Wagner wurde damals ihr erster Konservator berufen. 1868 zog die Sammlung in das Galeriegebäude der Hofgarten-Arkaden und wurde öffentlich zugänglich und damit zu einem Museum im heutigen Sinn. Dort blieb sie fast sechs Jahrzehnte lang. Doch die Räume wurden für die wachsenden Bestände bald zu eng.
Es musste eine neue Location her. Und die befand sich keine 800 Meter entfernt. Der langgestreckte Bau, das architektonische Gegenüber zur Regierung von Oberbayern, entstand ab 1858 nach Plänen Eduard Riedels. Geplant war er allerdings nicht für die Völkerkunde, sondern für das Bayerische Nationalmuseum, das König Maximilian II. auf seinem neuen Boulevard errichten wollte. Doch schon 1900 zog das Nationalmuseum, dem das Haus zu klein geworden war, in Gabriel von Seidls Neubau an der Prinzregentenstraße.
Leer stand der Bau danach jedoch nicht. Von 1906 bis 1925 zeigte hier Oskar von Miller die Sammlung seines noch entstehenden Deutschen Museums, ehe dieses auf die Isarinsel übersiedelte. Erst dann wurde Platz frei, und die völkerkundliche Sammlung konnte in die frisch renovierten Säle einziehen.
Die Geschichte des Museums aber hat nicht nur helle Seiten. 1933 wurde der langjährige Direktor Lucian Scherman, ein bedeutender Indologe, als Jude aus dem Amt gedrängt und emigrierte 1939 in die USA. Und das Museumsgebäude wurde im Krieg teilweise durch Bomben zerstört. Und auch die Herkunft der Ausstellungsobjekte ist nicht immer unproblematisch. Vieles im Bestand kam im Zuge kolonialer Expansion nach München – Raubkunst also. Um sich von den kolonialen Assoziationen des alten Namens zu distanzieren wurde aus dem „Museum für Völkerkunde“ 2014 das „Museum Fünf Kontinente“.
Heute zählen die Provenienzforschung, also die Untersuchung der Herkunft von Kunst- und Kulturgütern, und die Rückgabe unrechtmäßig erworbener Objekte zu den wichtigsten Aufgaben des Hauses. Das ist ein Anspruch, den auch das Fest prägt.

Und so ist das Vorhaben der Aufarbeitung auch im Fest-Programm herauszulesen. Neben verschiedenen Führungen durch die Ausstellungen des Hauses nimmt der Provenienzforscher Richard Hölzl in drei Kurzführungen die Kolonialgeschichte von Gebäude und Sammlungen in den Blick. Über den Festtag hinaus reicht der neue digitale Guide „Kolonialismus & Widerstand. Wege des Erinnerns“, den das Museum am 18. Juli in einem Pre-Launch vorstellt.
Daneben wird den Gästen ein vielfältiges Programm geboten. Den offiziellen Auftakt macht um 14 Uhr Direktorin Uta Werlich mit dem Anschnitt der Geburtstagstorte. An der Außenmauer zur Knöbelstraße gestalten die Street-Art-Künstler Fio Silva und Sake ink eine Wand. Wer nicht bis zum Festtag warten will, kann den beiden schon vom 9. Juli an bei der Arbeit zusehen. Drinnen lässt der XR Hub München Museumsobjekte in virtueller Realität auferstehen, und im neu gestalteten „disKursraum“ erwartet die Gäste ab 15 Uhr der Poetry-Slam „Aus Bayern in die Welt“ und im Anschluss fragt eine Podiumsrunde, moderiert von SZ-Redakteurin Susanne Hermanski: „Wer arbeitet im Museum Fünf Kontinente?“ und blickt hinter die Kulissen.
Auch die jüngsten Gäste werden gut unterhalten: Beim Graffiti-Workshop des Kunstlabors 2 dürfen Kinder selbst zur Sprühdose greifen, eine Museumsrallye schickt sie auf eine Entdeckungstour durch die Säle, und im Mosaik-Workshop werden Stein für Stein farbenprächtige Bilder gebastelt.
Dass das Programm so vielstimmig ausfällt, ist Absicht: Es steht für die Neupositionierung des Hauses, für die es mit Partnern aus der pluralen Münchner Stadtgesellschaft zusammenarbeitet: vom Bellevue di Monaco über das Kunstlabor 2 bis zu Tuncay Acar alias DJ Süperfly. Und weil ein Jahrhundert mit besonderen Einblicken gefeiert werden will, öffnet zum Fest auch der sonst verschlossene Museumsgarten seine Türen: mit Getränken und Speisen aus dem Café Vista und dem mexikanischen Foodtruck La Cometa.
Am Nachmittag ertönen dann die Bässe. Mit Prince White und Gora Mohamed übernehmen zwei Live-Acts die Bühne. Wer mitfeiern möchte, kommt einfach vorbei. Der Eintritt ist frei.
Jubiläumsfest „100 Jahre an der Maximiliansstraße“, Museum Fünf Kontinente, Maximilianstraße 42, Sonntag, 12. Juli 2026, 10–18 Uhr.

