Was läuft an Vorträgen?:Bilder mit Botschaft

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Cy Twomblys Rosenzyklus im Museum Brandhorst steht im Fokus der Begegnung von Kunstgeschichte und Theologie in der Vortragsreihe "Das Ewige im Jetzt". (Foto: Catherina Hess)

Das Ewige im Jetzt und das Spiel des Zufalls untersuchen Experten und Expertinnen aus Theologie, Kunstgeschichte und Psychoanalyse an bewegten und unbewegten Bildern.

Von Barbara Hordych

Publikumsrenner und Longseller zugleich ist die Vortragsreihe Bild und Botschaft, die seit 1990 einmal monatlich, dienstags um 18 Uhr, mit einem kunsthistorischen und einem theologischen Referat bis zu 200 Menschen anlockt. Das Erfolgskonzept blieb unverändert: Pro Termin steht ein Gemälde aus den Pinakotheken im Zentrum, das zunächst im Hörsaal C 123 der Ludwig-Maximilians-Universität in der Theresienstraße 41 vorgestellt wird, im Anschluss geht es zur Betrachtung des Originals ins Museum. Zum Referentenstab gehören Kunsthistoriker und Theologieprofessoren der LMU; aber auch Prominente wie der ehemalige Prior von Kloster Andechs, Anselm Bilgri, oder der Generaldirektor der Bayerischen Staatsgemäldesammlung, Bernhard Maaz, haben sich schon beteiligt. Am 28. Mai steht Paul Gaugins Gemälde "Die Geburt" von 1896 im Fokus, es referieren Matthias Krüger vom Institut für Kunstgeschichte und der Theologe Jan Rohls.

Auch in der Reihe Das Ewige im Jetzt, einer Kooperation von Museum Brandhorst und der Kirche St. Markus, begegnen sich Kunstgeschichte und Theologie vor einem Kunstwerk, wobei auch hier das Publikum in den Dialog einbezogen wird. Als Besonderheit gibt es vor dem Gespräch - einmal im Monat, samstags um 15.30 Uhr - eine halbstündige musikalische Interpretation zum jeweiligen Thema in der Markuskirche in der Gabelsbergerstraße. Am 1. Juni wird unter dem Titel "Cy Twombly: Rosen für Alle(s)?" der "Rosensaal" im Museum Brandhorst mit seinen sechs großformatigen Gemälden beleuchtet. Wie sich in der Rosensymbolik Kunst und christliche Religion verbinden, erläutern Kunstvermittler Jochen Meister vom Museum Brandhorst und die Theologin Bettina-Maria Minth.

Carole Lombard findet als überdrehtes New Yorker It-Girl (rechts) in einem Obdachlosen (William Powell, Mitte) ihren Wetteinsatz für ein Gewinnspiel. (Foto: Filmmuseum München)

Eine andere, aber nicht minder spannende Verknüpfung von in diesem Fall bewegten Bildern und Vortrag bietet die Reihe Film und Psychoanalyse, eine Kooperation des Filmmuseums München und der Akademie für Psychoanalyse. Aktuell behandelt die Reihe das Thema "Zufall", und man darf gespannt sein, was das Expertenteam mit Salek Kutschinski, Mathias Lohmer und Corinna Wernzwieder an Einsichten für das Publikum bereithält. Am 9. Juni um 18 Uhr führt der Film "Mein Mann Godfrey" in die Depression der USA der Dreißigerjahre; in der irrwitzigen Gesellschaftskomödie spielen Reiche ein zynisches Spiel des Zufalls, in dem Carole Lombard als überdrehtes New Yorker It-Girl ihren künftigen Mann Godfrey tatsächlich als Wetteinsatz von der Müllhalde castet. Als heutige Zuschauerin verfolgt man atem- und fast sprachlos das Geschehen auf der Leinwand. Dass Hollywood-Star Carole Lombard, Ehefrau von Clark Gable, nach ihrer letzten Rolle in Ernst Lubitschs Film "Sein oder Nichtsein" nur 33-Jährig bei einem Flugzeugabsturz tödlich verunglückte, wirkt wie ein weiterer grausiger Zufall.

Florian Baumann im Pixel bei seinem Vortrag zum Thema "Storytelling". (Foto: Flimmern & Rauschen)

Auch die junge Filmszene in München macht sich ihre Gedanken, wie ihre Protagonisten in der Vortragsreihe Glitch & Noise beweisen; ins Leben gerufen wurde sie zwecks Erfahrungsaustausches von den Organisatoren des Kurzfilmfestivals "Flimmern & Rauschen". Am 17. Mai um 18.30 Uhr stehen im Pixel in der Rosenheimer Straße 5 wieder Kurzvorträge zu elementaren Filmthemen auf dem Programm. Lukas März spricht beispielsweise über die Frage "Wie werte ich meinen Kurzfilm aus?", Luna Spangenberger referiert über "Content-ID und Audiolizenzrecht" und Karolina Weiß widmet sich dem "Dialekt im Kurzfilm".

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