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Museum Brandhorst:Ein Staatsakt für die Kunst

"Kulturelles Glanzlicht für ganz Bayern": Nach vier Jahren Bauzeit eröffnet Ministerpräsident Horst Seehofer das Museum Brandhorst.

Die Vorfreude war groß: In den vergangenen Tagen ist viel moderne Kunst in den Medien gezeigt worden, und es gab jede Menge Berichte über das neue und architektonisch auffällige Großprojekt im sogenannten Pinakothekenviertel. Fehlte nur noch der Staatsakt zur offiziellen Eröffnung.

Museum Brandhorst, Eröffnung

"Die Millioneninvestition des Freistaats in den Neubau ist gut angelegtes Geld": Seehofer (re.) bei der Eröffnung, hier mit Udo Brandhorst.

(Foto: Foto: dpa)

Dieser fand am Montagnachmittag mit zahlreichen Ehrengästen in einem großen Zelt neben der Pinakothek der Moderne statt. Nach sieben Jahren Planungs- und Bauzeit ist das Museum Brandhorst mit der Postadresse Theresienstraße 35 bereit für den zu erwartenden Publikumsansturm. Allerdings erst von Donnerstag an (bis Sonntag jeweils von 10 bis 22 Uhr) hat das Publikum bei freiem Eintritt Gelegenheit, sich selbst ein Bild von diesem herausragenden Gebäude und der Kunst darin zu machen.

Die wichtigste politische Botschaft kam von Bayerns Kunstminister Wolfgang Heubisch (FDP). Die Weiterentwicklung des Kunstareals in der Maxvorstadt über das Brandhorst Museum hinaus liege ihm besonders am Herzen, sagte er. Er werde sich mit Kraft und Ausdauer vor allem für den zweiten Bauabschnitt der Pinakothek der Moderne einsetzen: "Wir werden zeitnah ein überzeugendes Konzept vorlegen."

Dabei geht es darum, entlang der Gabelsberger- und Türkenstraße endlich einen Bau zu errichten, der Platz für die Graphische Sammlung und für Depot-Räume für alle umliegenden Museen bietet. Mit einem vollendeten Kunstareal werde München "an der Weltspitze ankommen". Er lasse sich nicht von der Finanzkrise schrecken, sagte Heubisch, und er wisse auch den Ministerpräsidenten an seiner Seite.

Der Chef der Staatsregierung, Horst Seehofer, legte denn auch ein klares Bekenntnis zu den bayerischen Museen ab. Sie seien kein Luxus für gute Zeiten, sie seien von grundlegender Bedeutung für den Erhalt der Kultur. Das neue Museum Brandhorst stellt für Seehofer ein "kulturelles Glanzlicht für ganz Bayern" dar: "Die Millioneninvestition des Freistaats in den Neubau ist gut angelegtes Geld."

Bei den ersten Planungsüberlegungen wurden 36 Millionen Euro für das neue Museum kalkuliert. Bald war klar, dass das nicht reichen wird. Die Summe wurde auf 48 Millionen Euro erhöht - und dabei ist es geblieben. Es werde sogar gelingen, diese Zahl zu unterschreiten, sagte Architekt Matthias Sauerbruch. Zuvor hatte Minister Heubisch eingeräumt, dass die hohen Baukosten ein "betrüblicher Gesichtspunkt" seien: "Das führt zu Verzögerungen in anderen Bereichen."

Das Berliner Büro Sauerbruch Hutton, das in München auch die neue Zentrale des ADAC entworfen hat, gestaltete die Museumsfassade mit Tausenden von bunten Keramikstäben. "Das Äußere soll auf die Lebendigkeit im Innern hinweisen", sagt Sauerbruch. Auf den drei Ausstellungsebenen, die durch eine skulpturale Treppenanlage verbunden sind, werden 150 der insgesamt rund 700 Kunstwerke der Sammlung Brandhorst gezeigt.

Auf einem schmalen und vergleichsweise kleinen Grundstück mussten die Räume optimal angeordnet und mit einem Maximum an Tageslicht versehen werden. Außergewöhnlich ist auch das ökologische Energiekonzept des Hauses. Eine ausgeklügelte Technik macht es möglich, dass das Brandhorst Museum rund die Hälfte weniger Energie als vergleichbare Museumsbauten verbraucht.

1993 gründeten Udo und Anette Brandhorst aus Köln eine Stiftung, in die Kunstwerke und Vermögenswerte eingebracht wurden. Kurz nach dem Tod von Anette Brandhorst im Jahr 1999 wurde ein Vertrag geschlossen, der die Sammlung Brandhorst mit der gleichnamigen Stiftung für den Freistaat Bayern sicherte. Dieser verpflichtete sich, ein eigenes Museum zu errichten und zu betreiben.

Das Abkommen sei ein außerordentlicher Glücksfall gewesen, sagte der Generaldirektor der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, Klaus Schenk. In München sei nun ein "Ensemble mit weltbedeutenden Sammlungen" entstanden. Dies ermögliche einen einzigartigen Rundgang durch die Geschichte der Kunst. Der Direktor des Museum Brandhorst, Armin Zweite, und die Direktorin der Pinakothek der Moderne, Carla Schulz-Hoffmann, verwiesen auf die Highlights im neuen Haus: Werke der Pop-Ikone Andy Warhol und des US-Künstler Cy Twombly.

Den Rummel um den Staatsakt nutzten rund 100 Studenten, um auf ihr Anliegen aufmerksam zu machen. Lautstark demonstrierten sie vor dem Museum gegen die Studiengebühren.