Auf eine Wohnung voller Munition und Waffen ist die Münchner Polizei bei einem Großeinsatz am Abend des Gründonnerstags gestoßen. Aus einem Haus an der Krausstraße in Ismaning, einer Vorortgemeinde im Norden, war ein „verdächtiger Gegenstand“ gemeldet worden. Das Haus wurde ebenso wie ein Nachbaranwesen evakuiert, Straßen im Umkreis von 200 Metern wurden gesperrt, das Spezialeinsatzkommando (SEK) und die Sprengstoffexperten des Landeskriminalamts rückten an.
Nach Angaben eines Polizeisprechers hatten Arbeitskollegen den Mann schon seit mehreren Tagen nicht mehr gesehen und deshalb die Rettungsleitstelle alarmiert. Als Feuerwehrleute und Polizisten die Wohnung betraten, entdeckten sie den Vermissten, der krank auf dem Boden lag. Auf einem Tisch befand sich ein Wecker, der aussah, als sei er mit Dynamitstangen verbunden. Weil der alkoholkranke 63-Jährige sich offenbar in einem schlechten gesundheitlichen Zustand befand, wurde er in eine Münchner Klinik gebracht.
Anschließend machte sich die Technische Sondergruppe (TSG) des Landeskriminalamts (LKA) ans Werk. Die Fachleute für gefährliche Stoffe und Gegenstände mussten erst einmal herausfinden, um welche Munition es sich im Einzelnen handelt und welche Gefahr von ihr konkret ausgeht. Es besteht der Verdacht, dass der Mann gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz verstoßen haben könnte. Gefunden wurden neben offenbar großkalibriger Munition mehrere sogenannte Anscheinswaffen, darunter zwei Maschinenpistolen, sowie fünf große Messer. Kurz nach Mitternacht konnten die Bewohner der übrigen sechs bis acht Apartments in das Haus zurückkehren, die Straßensperren wurden aufgehoben. Die Hintergründe des Vorfalls sind derzeit noch unklar.
Immer wieder haben es Münchner Einsatzkräfte mit Menschen zu tun, die Waffen, Munition und Sprengstoff in ihren Wohnungen horten. Oft stellt sich dann heraus, dass die Verdächtigen der in München rund 400 Köpfe zählenden Reichsbürger-Bewegung zuzurechnen sind. Ob das auch im Ismaninger Fall zutrifft, ist derzeit offen. Der 63-Jährige soll bisher als Reichsbürger oder Rechtsextremist nicht polizeilich aufgefallen sein. Die Einsatzkräfte stießen in der Wohnung allerdings auch auf Nazi-Devotionalien, darunter Hakenkreuz-Armbinden und ein Hitlerbild. Der Staatsschutz der Münchner Kriminalpolizei ist deshalb in den Fall eingeschaltet.
Bei der Festnahme eines 55-Jährigen im März vor drei Jahren im Münchner Stadtteil Neuhausen war die Polizei auf ein ganzes Waffenarsenal gestoßen: Neben Messern und Schlagstöcken wurden in der Wohnung eine Armbrust, eine halbautomatische Pistole, mehrere Tausend Schuss Munition sowie drei funktionsfähige Handgranaten entdeckt. Im Oktober desselben Jahres wurden in der Wohnung eines Ehepaars in Freimann mehr als hundert Schusswaffen und Waffenteile und mehrere hundert Kilogramm Munition sichergestellt.

