Wiesn-Comic Bekannteste Enten der Welt erobern das Oktoberfest

Die Texte im neuen "Lustigen Taschenbuch" kommen dankenswerterweise ohne Apostrophe aus, und alles ist geschrieben, wie man es spricht.

(Foto: Disney)

Onkel Dagobert und Donald auf Bairisch? Comics in Mundart sind bemerkenswert erfolgreich - und ein Schutzwall gegen das Verschwinden des Dialekts.

Von Roman Deininger

Der Besuch der Familie Duck auf dem Oktoberfest beginnt gleich mit den ganz großen, in diesem Fall auch besonders delikaten Fragen, es geht ums Essen. Onkel Dagobert, hier zum Bertl promoviert, ordert einen Pfannkuchen ("I muass eana doch hoffendli ned eaklean, dass da Kunde Kini is?"), den er vom authentisch grantigen Kellner natürlich nicht bekommt. Aber was soll der Bertl, was sollen Donald, Tick, Trick und Track denn bitte speisen auf der Wiesn? Ein halbes Hendl oder gar ein Entenschlegel kommen aus nahe liegenden Gründen nicht in Frage. Auf Disneys "Oktowafesd" ernährt man sich mit Rücksicht aufs Hauptdarsteller-Geflügel lieber von meterlangen Würsten zweifelhafter Herkunft.

Die bekanntesten Enten der Welt erobern das bekannteste Volksfest der Welt, darum dreht sich Disneys neues Lustiges Taschenbuch in Mundart, das rechtzeitig zum Anstich bei Egmont Ehapa Media erschienen ist. Streng genommen drehen sich allerdings nur die ersten Seiten der ersten von acht Geschichten um die Wiesn. Dann verlagert sich die Handlung der Hauptstory nach kurzem Boxenstopp im Deutschen Museum auch schon in unbestimmte Bergregionen und schließlich sogar in die Schweiz. Das Ganze einen Oktoberfest-Comic zu nennen, wäre also arg übermütig. Zumal die Vorstellung, auf der Theresienwiese werde aus Becherchen getrunken und die Wurst bevorzugt als Hot Dog verzehrt, schon eine eher naive ist.

Oktoberfest

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Immerhin sitzt Aloisius sehr korrekt auf seiner Wolke im Himmel umeinander, und verglichen mit der realen Wiesn 2016 ist die Sicherheitslage im Comic eindeutig vorzuziehen: Gefahr geht nur von den "Banzagnaggan" aus, die beim versuchten Diebstahl von Trachtenhüten anständig was auf die Finger kriegen ("Auaa! Meine Glubbal!"). Weiter hinten im mit 96 Seiten nicht zu dicken Buch gehen Goofy und Micky noch auf eine Kraxltour, die grundheiter gerät, weil Goofy ohne dramaturgische Notwendigkeit dauernd Sachen sagen darf wie: "Da Beag ruafd? I hea nix!"

Der größte Reiz der Disney-Exkursion in den Freistaat ist zweifellos der Dialekt. Goofy, Micky und die Ducks münchnern, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist. Der erfahrene Übersetzer Wolfgang J. Fuchs bereitet dem Leser mit vielen kleinen Dingen große Freude (mit dem "Gäidschbeicha vom Bertl" zum Beispiel), wobei das Bairische sich stellenweise schon auch recht fränkisch anhört, vor allem durch die großzügige Verwendung von "gg" für das geschriebene "k": "denggd" statt "denkt".

Aber das sind die ganz normalen Herausforderungen, wenn man Mundart verschriftet. Es gibt nun mal keine Standard-Schreibweise für das Bairische, es gibt ja nicht mal ein Standard-Bairisch, und das Münchnerische würden böse Zungen wegen der Unterwanderung durch Zugereiste ja inzwischen eh nur noch für eine weitere Spielart des Preußischen halten.

Fuchs' Texte kommen jedenfalls dankenswerterweise ohne Apostrophe aus, und alles ist geschrieben, wie man es spricht. Das ist erstens lesefreundlich und vermeidet zweitens jene Dümmlichkeiten, mit denen die bayerische Sprache auf manchen Speisekarten verunstaltet wird, übrigens durchaus auch in der Münchner Innenstadt: Da werden ja bekanntlich auch mal "Brez'n" feilgeboten oder "Original Wies'n Bier". Und natürlich Pfifferlinge statt Reherl.

Insofern ist dieses Lustige Taschenbuch wie viele andere Mundart-Comics, die in ganz Deutschland seit gut zwei Jahrzehnten bemerkenswert erfolgreich sind, schon ein klitzekleiner Schutzwall gegen das Verschwinden des Dialekts - egal ob Bairisch, Platt oder Saarländisch. Mundart ist ja auch viel mehr als Folklore, wie Hans Well, ehemals von der Biermösl Blosn, gern bezeugt: "Man kann sich im Dialekt wirklich besser ausdrücken als in der Hochsprache", präziser, poetischer, klingender, auch schmutziger und derber. "Einfach näher dran am echten Ton echter Menschen." Diese Erfahrung hat Well auch gemacht, als er vor Jahren den Band "Asterix bei den Goten" in "Auf geht's zu de Got'n" verwandelt hat.

Asterix und Obelix haben dem Oktoberfest auch schon mal die Ehre gegeben, 2001 in "Ozabfd is", der bairischen Version vom "Kampf der Häuptlinge", übersetzt von Carl-Ludwig Reichert und Tatort-Kommissar Udo Wachtveitl. Das Gallier-Abenteuer bot sich zur Bajuwarisierung an, weil es schon im Original eine Wiesn-ähnliche Jahrmarkt-Szene enthält. Auf dem Festplatz gibt es einen "Pferdl-Skuta" ("Oa Rundn oa Seasteaz"), eine "Wolpertinger-Schau", eine "Beag-und-Doi-Bahn" oder eine "Schiasbudn", die ihren Kunden "oa Hoibe fia oan Voidreffa" verspricht. Mit solchen Schmankerln kann das aktuelle Lustige Taschenbuch nicht ganz mithalten.

Überhaupt lohnt es sich, mal wieder zu den bairischen Asterix-Bänden zu greifen (ebenfalls Egmont). Diese quellen über vor liebevollen Details: Das Gallierdorf heißt Giasing, die umliegenden Römerlager nennen sich Pasing, Schwabing, Sendling und Trudering. Häuptling Majestix hat von einer anderen örtlichen Führungskraft den Spruch "Schaugn ma moi, na sehng mas scho" ausgeliehen, und Obelix brüllt hungrig "A Wuidsau, Zefix!". Nicht so bekannt, aber auch sehr gelungen sind die bayerischen Simpsons (Panini), übertragen von Sabine Bohlmann, der deutschen Synchronstimme von Lisa Simpson. Aus Bart wird Bartl und aus "Eat my shorts" das noch schönere "Friss mei Hosn".

Zur Vorbereitung auf den Wiesn-Besuch kann man die Oktowafesd-Ducks aber getrost lesen. Man wird auf der Theresienwiese nicht so viele Leute Bairisch reden hören wie in der wunderbaren Welt des Comics.

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