Süddeutsche Zeitung

Münchner Zoo:Tierpark Hellabrunn erwartet Besucherrekord

Der Münchner Zoo rechnet für 2014 erstmals mit mehr als zwei Millionen Gästen. Das liegt vor allem an den Eisbärenzwillingen Nela und Nobby. Aber nicht nur sie haben den Tierpark attraktiver gemacht.

Von Anne Kostrzewa

- Nela und Nobby sind die unangefochtenen Stars des Tierparks. Den Eisbär-Zwillingen verdankt Hellabrunn einen anhaltenden Besucherstrom - und, wenn es so weiter geht, wohl bald einen neuen Besucherrekord. "Wir glauben, dass wir heuer erstmals die Zwei-Millionen-Marke knacken können", sagt Interimschefin Beatrix Köhler. Die Voraussetzungen habe der Zoo bereits 2013 geschaffen, etwa mit der Eröffnung der neuen Giraffensavanne. "Die spektakuläre Geburt der Eisbären war dann der krönende Abschluss des ohnehin sehr erfolgreichen Jahres."

Mit 1,7 Millionen Besuchern im Jahr 2013 blickt der Münchner Zoo auf das zweitbeste Ergebnis seines 102-jährigen Bestehens zurück. Das geht aus dem am Mittwoch vorgestellten Geschäftsbericht des Tierparks hervor. Nur das Jubiläumsjahr 2011 war mit 1,8 Millionen Besuchern bislang noch erfolgreicher.

Nun ist der Tierpark drauf und dran, diesen Rekord zu brechen, auch dank des Eisbär-Nachwuchses. Bereits im Juni dieses Jahres, anderthalb Monate früher als 2013 und früher als je zuvor, konnte Hellabrunn seine Millionsten Besucher begrüßen: eine Familie aus dem Berchtesgadener Land. Auch sie war gekommen, um die Eisbären zu sehen.

"Die Eisbären stellen mit ihrem Kindchenschema einfach alle anderen Tierkinder in den Schatten", sagt Köhler. "Da konnten unser Giraffenbaby und der kleine Gorilla nicht mithalten." Als die kleinen Bären im Frühjahr erstmals ihre Außenanlage erkundeten, musste der Zoo sogar Securityleute engagieren, um vor dem Gehege die Sicherheit der Besucher und Tiere zu garantieren - ein absolutes Novum. Ebenfalls eine Premiere war die mediale Begleitung der Jungtiere.

Dank einer in der Geburtshöhle installierten Kamera konnte die Welt erstmals eine Eisbärengeburt miterleben. Der eigens für die Eisbär-Kamera eingerichtete YouTube-Kanal erreichte nach knapp zwei Wochen bereits beinahe 192 000 Klicks. "Wir haben dadurch Einblicke in die Wochenstube der Tiere bekommen", schwärmt Beatrix Köhler. "Das hat es so noch nie zuvor gegeben."

Hellabrunn habe mit den Videos der Eisbärbabys dazu beigetragen, "ihre Natur und Anforderungen besser zu kennen". Da die Eisbären im Zoo "nur Vertreter jener Tiere in freier Wildbahn" seien, könne man dank dieser Erkenntnisse nun auch die wild lebenden Eisbären besser schützen.

Weil der Schutz und die artgerechte Haltung der Tiere auch in Hellabrunn oberste Priorität haben soll, realisierte der Zoo 2013 mehrere Bauprojekte, die den Tieren mehr Platz und den Besuchern besonders naturnahe Erlebnisse bieten. Besonders stolz ist Beatrix Köhler auf die 10 000 Quadratmeter große Giraffensavanne. "Die Giraffen können jetzt richtig galoppieren und Gas geben. Das habe ich so noch nie erlebt."

Fette Sandratten in der Fledermausgrotte

Die Savanne bietet so viel Platz, dass der Tierpark auch Stachelschweine und Erdmännchen mit einziehen ließ - die Neuzugänge in Hellabrunn, neben Fetten Sandratten, Kap-Klippschliefern, Girgentana-Ziegen und Sumpfwallabys, einer Beuteltierart. Die Fetten Sandratten wohnen in der Fledermausgrotte, die nach ihrer Umgestaltung zum Bergwerksstollen auch für ihre anderen Bewohner bessere klimatische Bedingungen bieten soll.

Ebenfalls über eine Neuerung freuen können sich die Pinguine: Sie haben im vergangenen Jahr eine knapp 50 Meter lange Schwimmstrecke bekommen und können den Besuchern so noch besser vorführen, wie flink sie durchs Wasser flitzen können.

"Zu verdanken hat der Tierpark diese Verbesserungen vor allem seinem ehemaligen Direktor Andreas Knieriem", betont Münchens Dritte Bürgermeisterin und Aufsichtsratsvorsitzende Christine Strobl am Mittwoch. "Er hat vieles auf den Weg gebracht, für Tiere und Besucher."

Für Rasem Baban, der am 1. August die Tierpark-Leitung von Interimschefin Köhler übernimmt, sind das gute Einstiegsvoraussetzungen. Doch ihn erwartet ein weiteres Riesen-Projekt: Das Elefantenhaus ist noch immer im Umbau. Der neue Direktor steht vor der Aufgabe, die Fertigstellung des Dickhäuter-Quartiers auf den Weg zu bringen, damit die Besucherströme auch dann anhalten, wenn Nela und Nobby ihrem Kindchenschema entwachsen sind.

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SZ vom 10.07.2014/amm
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