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Münchner Wohnungsmarkt:"Kriegserklärung" der Patrizia

In einer anderen Münchner Anlage verspricht Patrizia Kapitalanlegern gute Rendite, man nennt das in der Immobilienbranche "Betongold": "Die Wohnungen sind langjährig und solide vermietet. Es besteht ein attraktives Miet- und Wertsteigerungspotenzial! (. . .) Mieterhöhungen bis zur ortsüblichen Vergleichsmiete sind im Rahmen des gesetzlich Zulässigen möglich."

Solche Aussichten sind der Stimmung in Laim nicht zuträglich. Einige Alt-Mieter sitzen an einem kühlen Abend im weitläufigen Innenhof. Die einen schildern sachlich die Situation, die anderen reden sich in Rage. Von einer "Kriegserklärung" der Patrizia spricht einer, andere monieren den aus ihrer Sicht schlechter werdenden Service des Vermieters und die oft wechselnden Ansprechpartner.

Die einen zahlen inzwischen rund zehn Euro pro Quadratmeter, die anderen nicht mal sieben, jeder hat eine andere Schmerzgrenze. Es sind, und auch das ist typisch, nur ein paar wenige, die sich besprechen und irgendwie solidarisieren. Die meisten schweigen und nehmen das Kommende hin.

Der Kritik von Bewohnern, dass Patrizia wenig in die Anlage investiere und vor allem am eigenen Profit interessiert sei, entgegnet die Firma mit einem Bekenntnis zur "Gewinnerzielungsabsicht": "Ohne Gewinne können wir keine Steuern bezahlen, keine Arbeitsplätze schaffen". Und im Vergleich zur Konkurrenz investiere man überdurchschnittlich viel in die Häuser.

Nun ist die Patrizia zwar nicht übermäßig beliebt in München, aber eine der so gefürchteten Heuschrecken ist sie auch nicht. "Sozialverträglich" nennt die Patrizia ihr Geschäftsmodell, was nicht ganz falsch ist. Bewohner in den "Richter-Höfen", die älter als 60 sind, sollen ein lebenslanges Wohnrecht erhalten, "in Kürze" werde man die ergänzten Verträge an die Mieter schicken, verspricht Patrizia auf SZ-Nachfrage.

Allein, wenn die Miete steigt und steigt, hilft kein Kündigungsschutz, viele müssen dann "freiwillig" ausziehen. Dass weitere Erhöhungen zu erwarten sind, kündigt die Patrizia selbst an, wenn auch indirekt. Sie macht den Mietern den Wohnungskauf mit Slogans wie diesem schmackhaft: "Sie schützen sich vor steigenden Mieten."

Umgekehrt beschreibt diese Werbung genau das, was die bleibenden Mieter zu befürchten haben. Die Spirale wird sich weiterdrehen, fast unmerklich, in Laim wie überall in München. Die meisten Wohnungen in dem alten Block mit dem neuen Namen werden wohl auf den freien Markt kommen: Erst sechs Mieter haben sich bislang zum Kauf entschlossen, lässt die Patrizia wissen.

© SZ vom 18.07.2012/sonn
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