Bis zu 10 000 Euro zu viel gezahltMünchner OB entschuldigt sich für horrende Heizkostenabrechnungen in städtischen Wohnungen

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Hohe Heizkostennachzahlungen: Ein betroffener Gebäudekomplex der Münchner Wohnen zwischen Stösser-, Winterstein- und Fortnerstraße.
Hohe Heizkostennachzahlungen: Ein betroffener Gebäudekomplex der Münchner Wohnen zwischen Stösser-, Winterstein- und Fortnerstraße. Robert Haas
  • Oberbürgermeister Reiter entschuldigt sich bei Mietern der Münchner Wohnen für horrende Heizkostennachzahlungen von mehreren Tausend Euro im Hasenbergl.
  • Eine technische Prüfung ergab, dass die Kombination aus verbesserter Gebäudedämmung und altem Einrohr-Heizsystem zu deutlich überhöhten Heizkosten führte.
  • Die Münchner Wohnen wird für 2022 bis 2024 nachträglich nach Wohnfläche statt nach Verbrauch abrechnen und Rückzahlungen vornehmen.
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Bewohner im Hasenbergl hatten mehrere Tausend Euro nachzahlen müssen. Wie viel Geld sie nun von der „Münchner Wohnen“ zurückbekommen dürften.

Von Anna Hoben

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Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) hat zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen in eine Auseinandersetzung zwischen Mietparteien und der Münchner Wohnen eingegriffen und das städtische Wohnungsbauunternehmen scharf zurechtgewiesen. Es geht um mehrere Wohngebäude im Stadtteil Hasenbergl, in denen es in den vergangenen Jahren zu Heizkostennachzahlungen in Höhe von mehreren Tausend Euro gekommen war. Reiter hat den Bewohnern nun recht gegeben und sie im Namen ihrer Vermieterin um Entschuldigung gebeten.

Die Münchner Wohnen hatte zuvor die technischen Anlagen umfassend überprüfen lassen. Das Ergebnis: Die Kombination aus der stark verbesserten Gebäudedämmung und dem sogenannten Einrohr-Heizsystem aus den 1970er-Jahren habe zu „deutlich zu hohen Heizkosten“ für viele Mieterinnen und Mieter geführt, wie es am Mittwoch in einer Mitteilung aus dem Rathaus hieß.

OB Reiter, der Ende Juni den Aufsichtsratsvorsitz von Bürgermeisterin Verena Dietl (SPD) übernommen hatte, hat das Unternehmen aufgefordert, alle offenen Fragen zu den Nebenkostenabrechnungen „schnellstmöglich zu klären“ und Rückzahlungen „zügig und unbürokratisch“ vorzunehmen.

Die Kombination aus dem alten Heizsystem und verbesserter Dämmung soll zu den horrenden Kosten geführt haben.
Die Kombination aus dem alten Heizsystem und verbesserter Dämmung soll zu den horrenden Kosten geführt haben. privat

„Es ist bitter genug für unsere Mieterinnen und Mieter, dass ihnen monatelang gesagt wurde, der ungewöhnlich hohe Verbrauch habe allein mit ihrem individuellen Heizverhalten zu tun“, sagte er. Stattdessen habe sich nun gezeigt, dass die alten Heizsysteme Wärmeverluste verursachten und dadurch die wohnungsgenaue Zuordnung der Verbräuche und damit der Kosten nicht vernünftig lösbar sei.

Eine 69 Jahre alte Mieterin, ihr Name ist der SZ bekannt, hat im Jahr 2022 insgesamt etwa 7400 Euro Heizkosten bezahlt, davon 4600 Euro als Nachzahlung. Im Jahr 2023 waren es etwa 7900 Euro, davon 4800 Euro als Nachzahlung. Die Abrechnungen liegen der SZ vor. Als die erste der horrenden Nachzahlungsforderungen kam, habe sie kurz zuvor eine Krebsdiagnose erhalten, sagte sie am Mittwoch am Telefon.

„Jetzt reicht’s, da stimmt was nicht“

Sie habe damals andere Probleme gehabt und „einfach bezahlt, nicht nachgeforscht“. Beim zweiten Mal hätten ihr Mann und sie dann aber gesagt, „jetzt reicht’s, da stimmt was nicht“. Sie wohne seit 46 Jahren in der Wohnung und habe zuvor mal 200, mal 300 Euro nachbezahlt. Außer dem Wohnzimmer und dem Bad würden sie keine Räume beheizen. Nun hat sie Hoffnung auf eine umfangreiche Rückzahlung. „Das ist eine gute Nachricht, ich bin glücklich darüber.“

OB Reiter kritisierte am Mittwoch, es habe viel zu lange gedauert, bis die Münchner Wohnen die Ergebnisse der Prüfung zur Kenntnis genommen habe. Die Mieter hatten bereits Ende November 2024 Sammelwidersprüche gegen die hohen Nachzahlungen eingelegt. Reiter hat das städtische Unternehmen aufgefordert, „ein verursachergerechtes und mietrechtlich einwandfreies Abrechnungsverfahren zu finden“. Bis dahin dürfe es nicht erneut zu „ungerechtfertigten Belastungen“ kommen.

Die Münchner Linke triumphierte am Mittwoch über die Mitteilung des Oberbürgermeisters. Deren stellvertretender Vorsitzender Christian Schwarzenberger, der sich für die Mieter im Hasenbergl eingesetzt hatte, nannte das Ergebnis einen „großen Erfolg“, endlich gebe es „Gerechtigkeit“. In extremen Fällen müssten einzelne Haushalte nach Berechnungen von Heizkostenexperten allein für ein Jahr eine Rückzahlung von mehr als 10 000 Euro erhalten, so Schwarzenberger.

Der Mieterverein München, der in den Fällen im Hasenbergl vermittelt hat, teilte am Mittwoch mit, die Münchner Wohnen werde in den betreffenden Gebäuden die Heizkosten für das Jahr 2024 nach Wohnfläche abrechnen – nicht nach Verbrauch, weil der bei diesen Fällen keine gerechte Abrechnungsgrundlage sei. „Das ist eine faire Lösung für die Mieter vor Ort“, sagte Monika Schmid-Balzert, stellvertretende Geschäftsführerin des Mietervereins. „Die Münchner Wohnen hat nach öffentlichem Druck und konstruktiven Gesprächen mit uns nun eine gute Lösung gefunden.“

Auch für die Jahre 2022 und 2023 erfolge nachträglich eine flächenbezogene Abrechnung. Wer zum Nachteil seiner Nachbarn bisher eine extrem günstige Abrechnung hatte, muss für diese Jahre allerdings nichts nachbezahlen. Wenn Heizungs- und Warmwasserkosten nicht verbrauchsabhängig abgerechnet werden, dürfen Mieter zudem laut Gesetz die Kosten um 15 Prozent kürzen. Dieses Recht gewähre die Münchner Wohnen nun den Bewohnern der betroffenen Gebäude pauschal, heißt es vom Mieterverein.

OB Reiter versicherte den Mietern indes, dass er sich „mit allen Problemen der Münchner Wohnen intensiv auseinandersetzen und die notwendigen Konsequenzen ziehen werde“.

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