Süddeutsche Zeitung

Münchner Wohnen:Was die Fusion für Mieter und Mitarbeiter bedeutet

Lesezeit: 3 min

Am ersten Januar werden Gewofag und GWG zur "Münchner Wohnen" vereint. Was heißt das für die Bewohner der knapp 70 000 Wohnungen und die Beschäftigten des neuen Großunternehmens? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Von Barbara Galaktionow

Am 1. Januar ist es so weit: Die zwei städtischen Wohnbaugesellschaften Gewofag und GWG werden zur "Münchner Wohnen" vereint - und damit zu einer der größten städtischen Wohnbaugesellschaften Deutschlands. Was ändert sich dadurch?

Wie viele Mieter sind betroffen?

Die Münchner Wohnen wird fast 70 000 Wohnungen verwalten. Wie viele Menschen derzeit darin leben, wissen Gewofag und GWG selbst nicht genau. Sie gehen aber von etwa 150 000 Bewohnern aus.

Was ändert sich durch die Fusion für die Mieter?

Auf die Mieter und Mieterinnen habe die Zusammenlegung der beiden Unternehmen "sehr geringe Auswirkungen", wie ein Gewofag-Sprecher sagt, der diese Position auch in der Münchner Wohnen innehaben wird. An den jeweiligen Mietverträgen ändere sich nichts, die Miete werde regulär abgebucht, nur eben dann von der Münchner Wohnen. Auch die Ansprechpartner sollen im neuen Unternehmen zunächst die gleichen bleiben - allerdings änderten sich deren Kontaktdaten, da im Zuge der Fusion Telefonnummern und E-Mail-Adressen der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen angeglichen würden.

Wird die Miete erhöht?

Die Bewohner der Gewofag- und GWG-Wohnungen zahlen derzeit im Durchschnitt sieben Euro Miete pro Quadratmeter. Daran wird sich zunächst nichts ändern. Denn Anfang Dezember hat die grün-rote Mehrheit im Stadtrat den bereits seit 2019 bestehenden Mietenstopp bis mindestens Ende 2026 verlängert. Dann soll neu über eine weitere Verlängerung entschieden werden. In der Zwischenzeit soll die soziale Struktur der Mieter evaluiert werden, um herauszufinden, wer auch eine höhere Miete zahlen könnte. Wie das allerdings konkret ablaufen soll, ist derzeit unklar.

Welche Vorteile verspricht sich die Stadt von der Fusion?

Die Stadt setzt darauf, dass das künftige Großunternehmen stärker beim Bau neuer Wohnungen wird. Etwa 1250 Wohnungen stellten Gewofag und GWG zuletzt jährlich fertig, nun sollen es deutlich mehr werden. "Wir schaffen es, 2000 neue Wohnungen pro Jahr zu bauen - und zwar schon bald", sagte Verena Dietl (SPD), Bürgermeisterin und zugleich Aufsichtsratschefin von Gewofag und GWG, der SZ in einem Interview. Sie hofft auf 2024 oder sonst 2025.

Zudem soll durch die Fusion viel Geld gespart werden. Durch "Synergieeffekte" würden bis 2026 gut 45 Millionen Euro eingespart, sagte Dietl im Stadtrat Ende November. Die Stadt rechnet zum einen mit besseren Konditionen bei der Finanzierung von Bauprojekten, zum anderen mit Einsparungen im IT-Bereich. Das mit Abstand größte Sparpotenzial wird allerdings im Personalbereich erwartet: Eine effizientere Aufgabenverteilung unter den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wird Dietl zufolge als "Einmal-Effekt" fast 30 Millionen Euro bringen.

Wie wirkt sich die Fusion auf die Beschäftigten aus?

Von den mehr als 1100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiterinnen von Gewofag und GWG soll trotz der Fusion zur Münchner Wohnen niemand seinen Job verlieren, versprechen die Wohnbauunternehmen und Politiker. Die Einsparungen im Personalbereich kämen vor allem dadurch zustande, dass der zuvor bei den Einzelgesellschaften für die Zukunft geplante Stellenaufbau reduziert werde, heißt es. Auch finanzielle Einbußen werde es für die Beschäftigten nicht geben, teilt ein Sprecher mit. Eine entsprechende Betriebsvereinbarung zwischen Geschäftsführung und Betriebsräten sei "final verhandelt". Darin sei geklärt, dass bisherige Betriebsvereinbarungen, beispielsweise auch zu Homeoffice-Regelungen, auch in der Münchner Wohnen gälten.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen sich allerdings auf interne Veränderungen einstellen. Die Münchner Wohnen werde "Fachkräfte bündeln" und "Teams und Abteilungen mittelfristig neu strukturieren", so Weber weiter. Sollten Mitarbeiter anders als bisher eingesetzt werden, erhielten sie "natürlich Unterstützung".

Wie ist die Stimmung unter den Mitarbeitern?

Bürgermeisterin Dietl hält die anstehende Fusion für gelungen, auch, weil man die Mitarbeiter über Jahre in dem Prozess "mitgenommen" habe. Von der Rathausopposition waren hingegen noch Ende November ganz andere Einschätzungen zu hören. CSU-Fraktionschef Manuel Pretzl sprach von "Panik, Frust und Arbeitsverweigerung" in den Unternehmen. Auch Andreas Lehner, der als Gewofag-Chef ursprünglich von Januar an die Führung der Münchner Wohnen übernehmen sollte, aber im Oktober nach nur einem Monat abgesprungen war, äußerte sich deutlich negativer. Der Kurzzeit-Chef sagte, dass es wie bei jeder Fusion im Personal Gewinner und Verlierer geben werde.

Sind nun aus Sicht der Beschäftigten mit der Aushandlung der Betriebsvereinbarung alle Probleme zufriedenstellend gelöst? Die Betriebsräte der beiden Gesellschaften hatten sich vor einem Jahr klar gegen eine Fusion gestellt. Die SZ hat sie kurz vor Weihnachten nicht mehr für eine Stellungnahme erreichen können.

Wann bekommt die Münchner Wohnen einen neuen Chef?

Nach dem unerwarteten Abgang des designierten Münchner-Wohnen-Geschäftsführers Lehner wird die neue Wohnbaugesellschaft von einer Interimsspitze geführt. Doris Zoller und der frühere SPD-Stadtrat Christian Müller hatten nach Lehners Weggang die Gewofag-Geschäftsführung übernommen und werden diese Position vorerst auch bei der Münchner Wohnen übernehmen. Eine Neuausschreibung für die Rolle des CEO der Münchner Wohnen soll erst im kommenden Jahr erfolgen.

Wann wird die Münchner Wohnen im Stadtbild sichtbar?

Gleich im neuen Jahr sollen einem Sprecher zufolge die Firmenschilder an den Verwaltungsstandorten und Hausverwaltungen ausgetauscht werden. Nach und nach würden dann auch an den etwa 7000 Hauseingängen der Wohnhäuser Schilder der Münchner Wohnen angebracht.

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