Münchner Westen:Sehnlicher Wunsch nach Elektrobussen

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Die MVG will mit der Umstellung auf den wichtigen Linien 51 und 151 allerdings noch warten. Das hat vor allem technische Gründe, doch die Politiker in den Stadtvierteln halten andere Argumente für gewichtiger.

Von Jürgen Wolfram

21 neue Elektro-Gelenkbusse hat die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) bestellt, sie sollen 2023 nach und nach in Betrieb gehen. Im Münchner Westen wissen die Lokalpolitiker auch schon genau, wo diese Verkehrsmittel am besten einzusetzen wären: auf den Linien 51 und 151, also auf der Verkehrsachse zwischen Nymphenburg und Obersendling/Solln mit der Fürstenrieder Straße als wichtigstem Bindeglied. Wenn sich die Stadtteilvertreter da mal keine falschen Hoffnungen machen. Priorität hätten bei der weiteren Elektrifizierung zurzeit die Linien 53, 63 und 153, teilt die MVG auf Anfrage mit. Einsätze auf anderen Linien seien zwar möglich, "allerdings würden konkrete Festlegungen eine optimale Einsatz- und Umlaufplanung der Busse konterkarieren".

Da die Tram-Westtangente voraussichtlich noch viele Jahre auf sich warten lasse, der verkehrsreiche Münchner Westen bei Abgasen und Feinstaub aber dringend einer Entlastung bedürfe, wären die Elektrobusse eine hervorragende Zwischenlösung, hatte kürzlich erst der Bezirksausschuss (BA) Sendling-Westpark konstatiert. Zugleich erinnerte das Gremium daran, dass die Linie 51 diejenige mit den zweitmeisten Fahrgästen in ganz München sei. Der BA unterstützte folglich mit großer Mehrheit einen Antrag der CSU-Fraktion auf Lenkung der E-Busse gen München-West.

Zugleich wähnt man sich einig mit den Schwestergremien aus den Vierteln entlang der 51er-Route, etwa Laim und Hadern. "Die hätten auch was davon, wenn wir diese Idee durchsetzen", sagte der BA-Vorsitzende Günter Keller (SPD). Die MVG indes stellt klar, dass der Einsatz der Elektrobusse "in erster Linie durch die derzeit noch begrenzte Reichweite bestimmt" werde. Eher keine Empfehlung für den gewünschten Kurs West.

Bei aller Begeisterung für die Elektromobilität im ÖPNV, übersehen die Lokalpolitiker nicht noch einen anderen Haken, den die Sache mit den E-Gelenkbussen hat? Diese verfügen über weniger Sitzplatzkapazität als die dieselbetriebenen Vehikel. Der Unterschied sei nicht so groß, dass man ihn nicht verschmerzen könne, hieß es. Überdies ließe sich die Platzeinbuße durch eine dichtere Taktzahl kompensieren. "Alle fünf Minuten ein Bus, oder besser noch alle zwei Minuten, so wie in Hamburg, und die Leute brauchen nicht mal mehr einen Fahrplan", geriet CSU-Fraktionssprecher Alfred Nagel bei der Vorstellung von einer idealtypischen Mobilität schwärmerisch in Fahrt, "wenn die dann obendrein elektrisch fahren, wäre das doch eine tolle Geste." Nicht zuletzt würde eine "geschlossene E-Buslinie" gut zu den Klimaschutzzielen des vorgesehenen Pilotprojekts "Nachhaltiges Quartier Sendling-Westpark" passen.

Diese Sichtweise teilten fast alle BA-Mitglieder, so auch Erich Utz (Linke). Der wunderte sich gleichwohl, dass der E-Bus-Antrag von der CSU eingereicht worden war - "wo doch die CSU im Stadtrat lange Zeit alles getan hat, um E-Mobilität durch die Tram-Westtangente zu torpedieren".

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