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Münchner Westen:Fehlender Bezug zu Pasing

Lokalpolitiker kritisieren die von der Stadt geplante Benennung von sechs Straßen in einem Neubaugebiet

Die sechs neuen Straßen, die mit dem Neubaugebiet zwischen Paul-Gerhardt-Allee und Bahngleisen entstehen werden, haben nun Namen. Sehr zum Ärger der Mitglieder des Bezirksausschusses (BA) Pasing-Obermenzing. Denn, geht es nach ihnen, sind es die falschen. Sie hatten für die Widmung andere Persönlichkeiten vorgeschlagen, seien jedoch "völlig ignoriert" worden, monierte die Vorsitzende des zuständigen Unterausschusses Kultur, Maria Osterhuber-Völkl (CSU). "Für was machen wir uns denn Gedanken?" In der Februarsitzung kritisierten die Stadtteilpolitiker das Vorgehen des Stadtrats und des Kommunalreferats entsprechend heftig. Osterhuber-Völkl hofft auf einen Antrag in der Bürgerversammlung, damit die "Namen, die der Stadtrat aus Langeweile benannt hat", doch nicht kommen. Geht es nach den Bürgervertretern, sollen die Münchner Stadtteilgremien in Zukunft ohnehin mehr Rechte bei der Benennung von Straßen bekommen.

Tatsächlich haben die meisten Persönlichkeiten, denen nun Pasinger Straßen gewidmet werden, mit dem Stadtbezirk wenig zu tun. Ausnahmen sind die Erna-Eckstein- und die Franz-Langinger-Straße. Die eine erinnert an eine Lehrerin der Pasinger Grotheschule. Sie unterrichtete dort von 1927 bis zu ihrem Tod 1949. Während der NS-Zeit habe sie, "im Rahmen ihrer Möglichkeiten, Gegnerschaft zur verordneten Doktrin gezeigt", begründet die Stadt die Entscheidung. Die andere ist Franz Langinger gewidmet. Er war von 1928 bis 1933 Pasinger Stadtrat und wurde aufgrund seiner politischen Gesinnung im KZ Dachau inhaftiert. Nach Kriegsende engagierte er sich wieder politisch in der Gewerkschaft und in der Arbeiterwohlfahrt und war ab 1945 Leiter des Wohnungsamts in München. Doch ansonsten vermissen die Lokalpolitiker den Viertelbezug.

Blick in den Salon: Großbürgerliche Eleganz atmet die Kostümbibliothek der Hermine von Parish, die in Nymphenburg beheimatet ist

(Foto: Catherina Hess)

Da wird es die Rhea-Lüst-Straße geben, nach einer Astronomin, die zunächst in Göttingen und später in Garching am Max-Planck-Institut für Astrophysik forschte. Oder die Hermine-von-Parish-Straße. Parish gründete in den Dreißigerjahren in ihrer Nymphenburger Villa eine Kostümpuppenmanufaktur, aus der nach dem Zweiten Weltkrieg eine Kunstschule hervorging. Außerdem vermachte sie 1970 der Stadt ihre umfangreiche Bücher- und Kunstsammlung. Die Parish-Kostümbibliothek umfasst neben vielen Fotografien 40 000 Grafiken und ebenso viele Bücher aus fünf Jahrhunderten.

Nach der Wegbereiterin des TU-Campus Garching, Angela Molitoris, wird ein Platz heißen. Der Angela-von-den-Driesch-Weg erinnert an eine "international anerkannte Fachfrau auf dem Gebiet der Archäozoologie", schreibt die Stadt. "Ich will der Frau nichts wegnehmen", sagte Osterhuber-Völkl, "aber ich möchte keinen Brief an den Angela-von-den-Driesch-Weg schicken." Die Fraktionen hätten gemeinsam eine Prioritätenliste für die Straßennamen entwickelt, berichtete der BA-Vorsitzende Romanus Scholz (Grüne). "Der Unterausschuss Kultur hat sich sehr viel Mühe gegeben." Deswegen sei man "sehr entsetzt" über die Entscheidung.

Hermine von Parish, 1987

Ausdrucksstark: Nach Hermine von Parish soll in Pasing eine Straße benannt werden.

(Foto: Regina Schmeken)

Als Reaktion auf die für sie enttäuschenden Straßenbenennungen, wollen die Bürgervertreter nun anstoßen, die BA-Satzung zu erweitern. Denn bisher dürfen die Stadtteilgremien zwar Straßen benennen. Allerdings nicht, wenn damit eine persönliche Ehrung verbunden ist. Zudem sei das Vorschlagsrecht für Straßenbenennungen in der Satzung nicht klar geregelt, sagte Winfried Kaum (CSU). Haben die Pasinger Lokalpolitiker Erfolg, könnte sich das bald ändern. Vielleicht ja schon, bevor die ersten Straßen befahren werden, das soll voraussichtlich 2025 so weit sein, sagte Scholz.

© SZ vom 13.02.2018
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