Erich Kästners "Fabian" am Münchner Volkstheater:Wenn die Gegenwart alt ausschaut

Erich Kästners "Fabian" am Münchner Volkstheater: Das doppelte Leben: Anton Nürnberg (li.) ist Erich Kästners Fabian, ein Beobachter, sogar seiner selbst. Denn auch Silas Breiding (als Projektion) ist eben jener Fabian.

Das doppelte Leben: Anton Nürnberg (li.) ist Erich Kästners Fabian, ein Beobachter, sogar seiner selbst. Denn auch Silas Breiding (als Projektion) ist eben jener Fabian.

(Foto: Arno Declair)

Philipp Arnold verortet am Volkstheater Erich Kästners Großstadtroman "Fabian oder: Der Gang vor die Hunde" klug in der heutigen Zeit. Was am Ende bleibt, ist eine erschreckende Erkenntnis.

Von Yvonne Poppek

"Ich warte auf den Sieg der Anständigkeit, dann könnte ich mich zur Verfügung stellen", sagt Fabian einmal. Doch Fabian ist sich dessen alles andere als sicher, er rechnet damit wie ein Ungläubiger mit einem Wunder. Also beobachtet er, prüft, ob die Welt ein Talent zur Anständigkeit hat, zur Vernunft, zur Gerechtigkeit. Der Erste Weltkrieg ist vorbei, Fabian hat ihn erlebt, der Zweite Weltkrieg rückt heran, apathisch sieht er ihm im Berlin der Zwanzigerjahre entgegen. "Jetzt sitzen wir wieder im Wartesaal, und wieder heißt er Europa! Und wieder wissen wir nicht, was geschehen wird. Wir leben provisorisch, es nimmt kein Ende!" Ist es da nicht die logische Konsequenz, nichts zu tun?

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