Münchner Umweltinstitut Giftige Grüße aus Bozen

"Südtirol sucht saubere Luft", steht seit Donnerstag großflächig auf einer Werbetafel im Stachus-Untergeschoss.

(Foto: Umweltinstitut München)
  • Mit einer Plakataktion am Stachus will das Münchner Umweltinstitut auf den hohen Einsatz von Pestiziden in Südtirol aufmerksam machen.
  • Südtirol ist empört über die Einmischung der Münchner Umweltorganisation und droht mit einer Klage.
Von Thomas Anlauf

Es ist eine Dolomiten-Idylle. Die schroffen Wände der Drei Zinnen leuchten im Abendlicht, ein Wanderer betrachtet die atemberaubende Kulisse. "Südtirol sucht Freidenker. Südtirol sucht dich", steht auf dem Bild. Es ist eines von zahlreichen Motiven einer Imagekampagne, mit der die Agentur Zum Golden Hirschen seit etwa einem Jahr für Urlaub in Südtirol wirbt.

Seit Donnerstag hängt im Stachus-Untergeschoss noch eine etwas andere Reklame über die Region. "Südtirol sucht saubere Luft. Südtirol sucht sich", steht dort auf einer Luftaufnahme mit einem Traktor, der in einer Obstplantage oder einem Weinberg angeblich eine Wolke von Pestiziden versprüht. Hinter der frechen Plakataktion steckt das Münchner Umweltinstitut, es will damit auf den hohen Einsatz von Pestiziden im Obstgarten Europas aufmerksam machen. Schließlich kommt jeder zehnte Apfel in Europa aus Südtirol.

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Die Kampagne, für die das Umweltinstitut München eine eigene Homepage freigeschaltet hat (www.pestizidtirol.info), schlägt in Südtirol hohe Wellen. "Giftige Südtirol-Werbung in München", titeln die Südtiroler Online-Nachrichten stol.it und finden die Anti-Werbung "gar nicht witzig". Das Land Südtirol droht der Münchner Umweltorganisation sogar mit einer Klage.

"Wir werden es sicher nicht hinnehmen, dass Südtirol und die Südtiroler Obstwirtschaft verunglimpft werden", teilen der Südtiroler Landeshauptmann Arno Kompatscher und Landwirtschaftslandesrat Arnold Schuler in einer gemeinsamen Erklärung mit. Die Landesanwaltschaft prüfe bereits juristische Schritte, heißt es bei der Südtiroler Landesverwaltung.

"Wir haben provoziert, und das ist gelungen", sagt Karl Bär. Der Experte für Agrarpolitik beim Umweltinstitut mache sich "vergleichsweise wenig Sorgen" wegen einer möglichen juristischen Auseinandersetzung mit dem Land Südtirol. Die Plakataktion - es gibt übrigens nur ein einziges Exemplar am Stachus - sei schließlich nur Teil einer längeren Kampagne gegen den Einsatz von Pestiziden.

Das Umweltinstitut unterstützt mit einer Online-Aktion die "Pestizid-Rebellen von Mals", einer Marktgemeinde im Vinschgau. 2014 stimmte eine Mehrheit der Malser dafür, Pestizide in der Landwirtschaft auf Gemeindeflur zu verbieten. Mittlerweile haben mehr als 23 000 Menschen die Münchner Online-Petition unterstützt, in der Landeshauptmann Kompatscher aufgefordert wird, das Malser Pestizidverbot zum Vorbild für ganz Südtirol zu nehmen.

Doch in Bozen scheint man nun ernsthaft verschnupft zu sein über die Einmischung der Münchner Umweltorganisation. "Südtirols Obstwirtschaft betreibt sachgemäßen Pflanzenschutz auf höchstem Niveau", teilt die Landesregierung mit. Die Angst vor ausbleibenden deutschen Gästen, die knapp 50 Prozent der Urlauber ausmachen, könnte ein Grund für die heftige Reaktion aus Südtirol sein. Dabei boomt die Ferienregion. Und auch Umweltschützer Bär reiste am Freitag nach Südtirol zum Wandern wie jeden Sommer - trotz Pestiziden.

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