Münchner Straßen: Müllerstraße:Partymeile mit Hang zum Luxus

Straßenstrich, Zentrum der Münchner Schwulenszene, Partymeile. Die Müllerstraße hat eine bewegte Vergangenheit hinter sich. Die Spuren sind auch heute noch im Straßenbild zu erkennen. Ehrgeizige Bauprojekte werden das Gesicht der Straße jedoch massiv verändern. Ein Spaziergang in Bildern.

Simon Leonhardt

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Quelle: Simon Leonhardt

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Straßenstrich, Zentrum der Münchner Schwulenszene, Partymeile. Die Müllerstraße hat eine bewegte Vergangenheit hinter sich. Die Spuren sind auch heute noch im Straßenbild zu erkennen. Ehrgeizige Bauprojekte werden das Gesicht der Straße jedoch massiv verändern.

Benannt nach den zahlreichen Mühlen, die sich im 19. Jahrhundert an den noch nicht trockengelegten Bächen vor der Stadt befanden, ist die Müllerstraße, trotz ihrer gerade einmal 700 Metern Länge, heute eine Straße voller Gegensätze. Sie ist Münchens Straße der Homosexuellen-Szene genauso wie...

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...  die der oft beschriebenen Hipsterszene. Wie im gesamten Glockenbachviertel kann man auch in der Müllerstraße den Wandel (buchstäblich) an jeder Ecke erkennen.

Geht man vom Beginn der Straße "Am Einlaß" ein Stück weiter, fällt einem dort, wo die Müllerstraße die Corneliusstraße kreuzt, der Amen Store ins Auge. Seit 2007 werden hier Sneakers und Markenkleidung verkauft.

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Ein paar Meter weiter wird ebenfalls kräftig am neuen Gesicht der Müllerstraße gearbeitet.

The Seven ist Münchens derzeit wohl umstrittenstes Bauprojekt. Bis Ende 2012 entstehen im Turm des alten Heizkraftwerkes Luxuswohnungen mit einem Quadratmeterpreis von bis zu 22.000 Euro. Den späteren Bewohnern bietet die Anlage, neben einem exklusiven Blick über die Stadt, eine Kindertagesstätte und einen eigenen Wellnessbereich.

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Dieser Neubau gegenüber gilt als Gegenentwurf zum Luxusturm. Von den 16 neuen Wohnungen entfallen 12 auf den geförderten Wohnungsbau. Außerdem wird das Schwule Kommunikations- und Kulturzentrum (SUB) hier seine neue Beratungszentrale einrichten.

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Das eher unscheinbare Haus mit der Nummer 11 hat dagegen schon ein paar Jahre mehr erlebt. An der Fassade hängt diese Gedenktafel für Franz Stelzhamer, den bedeutendsten Dichter der österreichischen Mundartdichtung.

Heute beschäftigt man sich in diesem Gebäude nicht mehr mit der Dichtkunst, dafür aber mit Musik. Im dritten Stock befindet sich die Geschäftsstelle von "Little Teddy Recordings". Liam Lynch, Pete And The Pirates und Stereo Total haben unter diesem Label bereits ihre Platten veröffentlicht.

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Ein paar Meter weiter herrscht dagegen Kneipenkultur vor. Das Sunshine-Pub ist sowas wie die Stammkneipe des ganzen Viertels. Mag vielleicht auch daran liegen, dass sie 23 Stunden pro Tag geöffnet hat. Natürlich gibt es dadurch auch Dauergäste. Aber...

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...egal ob Schwulen-, Arbeiter- oder Jugendklientel: Das Schild nimmt es voraus: hier ist jeder willkommen.

Müllerstrasse Muggenthaler

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Muggenthaler ist eines von zwei Antiquitätenläden in der Müllerstraße. Ein Blick ins Schaufenster lohnt sich: Neben den Kupferstichen, Büsten und Apothekerschränken finden sich noch etwas kuriosere Dinge, wie etwa das Zifferblatt einer Kirchturmuhr.

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Der Laden führt außerdem einen großen Fundus an Kleidung und Accessoires aus dem Zeitraum von 1850-1950. Theater, Film und Fernsehen leihen sich hier oft Kostüme für ihre Produktionen aus.

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Auf der anderen Seite der Kreuzung trifft man auf Burgerbraterei, Bar und Club in einem: Im M.C. Müller kann man die neuesten Burgerkreationen probieren und anschließend zur Musik des DJs auf den Tischen tanzen.

Wer einmal selbst auflegen will, meldet sich einfach an der Bar.

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Im Ksar dagegen stehen auch große Namen hinterm DJ-Pult. Der selbsternannte "Barclub" öffnete schon vor über 20 Jahren seine Türen und war Vorbild vieler anderer Bars und Lounges, die nach und nach um ihn herum entstanden sind.

Sein Alter sieht man dem Ksar nicht an. Vor ein paar Jahren wurde der Club saniert und unter neuer Führung eröffnet.

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Auch das Gebäude gegenüber hat schon einige Jahre auf dem Buckel. Die Büsten an der Fassade geben einen Hinweis über dessen ursprünglichen Zweck: Es handelt sich um das ehemalige Optische Institut, dem Vorläufer des Fraunhofer-Instituts. 1829 bezog es in der Müllerstraße seinen Firmensitz.

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Joseph von Fraunhofer hat die Eröffnung selbst nicht mehr erlebt. Er liegt ganz in der Nähe am Alten Südfriedhof begraben. Heute nutzt die Galerie Kunstbehandlung einige Räume als Ausstellungsfläche.

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Kunst findet man aber nicht nur in den Galerien: Wenn man die Augen offen hält, entdeckt man, wie im gesamten Viertel, auch in der Müllerstraße Street Art an vielen Ecken.

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Auch in der Bank spielt die Kunst eine Rolle. Im ersten Stock werden regelmäßig Ausstellungen gezeigt und Lesungen gehalten. Ihren Namen hat die Bar von - Überraschung - einem Geldinstitut, das früher das Gebäude als Filiale nutzte. In der ehemaligen Schalterhalle befindet sich der Tresen und das DJ-Pult.

Darüber hinaus ist die Bank eine beliebte Kickerlocation. Auch Oberbürgermeister Christian Ude hat sich hier mal zu einem Match verabredet.

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Bald zieht das Schwule Kommunikations- und Kulturzentrum (kurz SUB) in den Neubau gegenüber des neuen Luxusturms. Noch findet man es aber in der Müllerstraße 43.

Das Sub wurde 1986 gegründet, um gegen Diskriminierung und für kulturelle und politische Anerkennung der Schwulen in München zu kämpfen. Täglich geöffnet bietet es neben Beratung und Information auch eine Bibliothek und Veranstaltungen, wie Theatervorführungen und Vorträge.

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Quelle: Stephan Rumpf

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Beliebter Anlaufpunkt für homosexuelle Männer ist auch der Ochsengarten einen Häuserblock weiter. Bereits 1967 eröffnet, ist er die erste Leder-Bar in ganz Deutschland. Der Eintritt bleibt allerdings nur Männern vorbehalten.

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Dass sich die Bevölkerungszusammensetzung in der Müllerstraße verändert hat, demonstriert beispielhaft dieses Bild. Viele junge Familien sind in den letzten Jahren hierher gezogen - und tun es immer noch. Vorausgesetzt sie können sich die steigenden Mietpreise leisten.

müllerstrasse

Quelle: Simon Leonhardt

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Der Quadratmeterpreis dieses Gebäudes dürfte ebenfalls ziemlich hoch sein. Wie ein großes Kreuzfahrtschiff schiebt sich der Neubau zwischen die Müller- und Pestalozzistraße. Auch im schicken Restaurant Glockenbach, das das Haus beherbergt, erinnert die Gestaltung ein wenig an das Interieur einer Luxusyacht.

Strassenportät

Quelle: Simon Leonhardt

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Doch es gibt auch noch bodenständige Cafés in der Müllerstraße. Hier zum Beispiel der Blick aus der Loretta Bar, die für ihren guten Kaffee und die Tapas bekannt ist.

Nachtlokal 'Pimpernel' in München, 2010

Quelle: Alessandra Schellnegger

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Nahe dieser Tür endet die Müllerstraße am "Bermuda-Dreieck". Der Münchner meint damit die Gegend, in der man nach einer durchzechten Nacht noch für Stunden wie vom Erdboden verschluckt wird. Schuld daran ist dann mit großer Gewissheit das Pimpernel. Dort wird es erst dann richtig voll wenn andere Clubs der Stadt schon geschlossen haben.

Manch einem ist dabei nicht bewusst, dass dieser Ort seine eigene Geschichte geschrieben hat. In den 30er Jahren befand sich hier ein Etablissement, in den 80ern war die Bar als Schwulentreff berüchtigt, in dem auch Walter Sedlmayr oder Freddie Mercury verkehrten. Dieses Image hat sich mittlerweile geändert, doch ein leicht verruchter Charme haftet dem Pimpernel auch heute noch an.

© sueddeutsche.de
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