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Münchner Straßen: Brienner Straße:Prunk und Pracht auf tausend Plätzen

Statuen, Tempel, herrliche Plätze: Eigentlich sieht die Brienner Straße aus wie ein einziges Denkmal. Ein Fest für die Augen - doch an einigen Stellen blickt auch hier die braune Vergangenheit durch. Ein Porträt in Bildern.

Kristina Milz

25 Bilder

Straßenporträt

Quelle: Kristina Milz

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Steht man auf dem Odeonsplatz vor der riesigen Feldherrnhalle mit ihren beiden steinernen Löwen, fällt die Brienner Straße zunächst gar nicht auf, so unscheinbar ist ihr Anfang. Sie beginnt auf der Südseite des Platzes und durchzieht die Maxvorstadt nach Westen - vom schüchternen Schein sollte man sich aber nicht täuschen lassen: Hier beginnt zweifellos eine der mondänsten Straßen Münchens.

Straßenporträt

Quelle: Kristina Milz

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Neben der Ludwigstraße, der Maximilianstraße und der Prinzregentenstraße ist die Brienner Straße eine der vier Prachtstraßen Münchens. Gegliedert wird sie durch vier große Plätze - den Wittelsbacherplatz, Karolinenplatz, Königsplatz und den Stiglmaierplatz muss die Straße hinter sich lassen, bevor sie schließlich in die Nymphenburger Straße mündet. Doch hier befinden wir uns noch ganz am Anfang...

Straßenporträt

Quelle: Kristina Milz

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... und stoßen gleich zu Beginn auf der linken Straßenseite auf ein historisches Haus mit der Nummer 7: die Galerie Wimmer. 1825 gegründet, ist sie die älteste Kunstgalerie Münchens. Hier stößt man heute nicht nur auf Traditionsgemälde, sondern auch auf zeitgenössische Kunst. Die "Top-Angebote", mit denen die Galerie wirbt, beziehen sich aber mehr auf die Erlesenheit der Stücke als auf den Preis.

Straßenporträt

Quelle: Kristina Milz

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Um Geld musste er sich jedenfalls keine Sorgen machen: Das bronzene Reiterstandbild von Kurfürst Maximilian I. dominiert den Wittelsbacher Platz, der sich auf der rechten Seite der Brienner Straße auftut. Das Denkmal wurde im Jahr 1839 von König Ludwig I. errichtet - modelliert hat es der Bildhauer Bertel Thorvaldsen. Gegossen wurde es anschließend von Johann Baptist Stiglmaier - angeblich aus 289 Zentnern eingeschmolzener türkischer Beutekanonen.

Siemens-Zentrale

Quelle: dpa

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Hinter dem Standbild hat einer der größten deutschen Konzerne seinen Hauptsitz. In dem rosafarbenen Bau befindet sich die Zentrale der Siemens AG. Das Gebäude wurde 1825/26 von dem Architekten Leo von Klenze erbaut und 25 Jahre lang von ihm selbst bewohnt.

Straßenporträt

Quelle: Kristina Milz

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Bei so viel deutscher Geschichte tun der Brienner Straße andere Einflüsse bisweilen recht gut. Hier im Sangeet, nur einige Schritte vom Wittelsbacher Platz in der Brienner Straße 10 gelegen, kann man nach Art der indischen Maharadschas essen. Nach einer Komplettrenovierung sorgt in dem Lokal eine Sammlung typisch indischer Musikinstrumente und passender Bilder für das besondere Flair. Bier gibt es hier natürlich trotzdem.

Straßenporträt

Quelle: Kristina Milz

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Direkt gegenüber, in der Brienner Straße 11, liegt der Luitpoldblock, auf dessen Glanz und Gloria schon immer neidische Blicke ruhten. Das Kaffeehaus war ab 1888 en vogue, die Innenarchitektur einzigartig in der Stadt. Hier ging der Prinzregent ein und aus und die intellektuelle Elite hielt Hof. Und auch heute noch genießt der ein oder andere Prominente seinen Cappuccino am liebsten im Cafe Luitpold.

Straßenporträt

Quelle: Kristina Milz

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Eifrig baute man an der Brienner Prachtstraße - die bestuckten Häuserfassaden und zahlreichen Palais sind heute ein Zeugnis dieser Zeit. Das Palais Almeida mit der Hausnummer 14 wurde 1823 im klassizistischen Stil mit Pariser Note erbaut und ist das wohl vornehmste Palais der Straße. Gewohnt hat hier die Baronin Sophie Bayrstorff, eine bürgerliche, erst nachträglich geadelte, Geliebte und spätere Gemahlin des Prinzen Carl. Heute ist die Verwendung des Gebäudes weniger romantisch...

Straßenporträt

Quelle: Kristina Milz

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...denn in den ehrwürdigen Räumlichkeiten befinden sich nun Büroräume sowie das Schweizer Generalkonsulat.

Straßenporträt

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Einige Schritte weiter stößt man etwas unvermittelt auf eine Grünfläche zwischen Maximiliansplatz und Brienner Straße, die am 10. September 1946 in Platz der Opfer des Nationalsozialismus umbenannt wurde, wie in der Münchner Stadtchronik nachzulesen ist. Nicht nur das einstige "Rondell beim Schillerdenkmal" wurde umbenannt, auch der Geschwister-Scholl-Platz und der Professor-Huber-Platz bekamen an diesem Tag im Zuge der ersten Aufarbeitungsversuche der NS-Geschichte ihren Namen.

Fackel am Platz der Opfer

Quelle: Catherina Hess

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Auf dem Platz, an dem die Brienner Straße vorbeiführt, steht das Denkmal für die Opfer der NS-Gewaltherrschaft. Eine Stahlplastik in der Form eines vergitterten Kubus steht auf einem hohen Granitsockel, in dem Würfel brennt ein ewiges Licht. Der Gedenkort wurde nicht zufällig ausgewählt...

Das Gestapo-Hauptquartier in der Briennerstraße in München, 1933

Quelle: Scherl/SZ-Photo

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...denn er befindet sich ganz dicht am ehemaligen Standort der Gestapo-Zentrale in München, dem Wittelsbacher Palais in der Brienner Straße 18. Hier war zu NS-Zeiten nicht nur das Hauptquartier der Geheimen Staatspolizei untergebracht, sondern auch das Gefängnis.

Straßenporträt

Quelle: Kristina Milz

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Das Wittelsbacher Palais wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. 1950 abgerissen, befindet sich heute an der Nordost-Ecke des Blocks von Brienner und Türkenstraße an der Stelle das Gelände der Bayerischen Landesbank.

Straßenporträt

Quelle: Kristina Milz

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Entlang der Brienner Straße finden sich immer wieder Stellen, an denen das Auge hängen bleibt. Wie an diesem zeitlos schönen Mosaik-Globus. Er steht unkommentiert vor der Hausnummer 26.

Straßenporträt

Quelle: Kristina Milz

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Auch die Häuserfassaden können sich sehen lassen - wie hier am Gebäude der Brienner Straße 28.

Straßenporträt

Quelle: Kristina Milz

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Dominant ragt der 29-Meter-Obelisk in den Himmel: Der Karolinenplatz mit seinen wunderschönen Blumenbeeten sticht schon von Weitem ins Auge. Er ist der erste Ort in München, der als Strahlenplatz angelegt wurde. Hier kommt die besondere Beziehung zwischen Bayern und Frankreich im frühen 19. Jahrhundert zum Ausdruck.

Der 1833 enthüllte Obelisk in der Platzmitte erinnert an die 30.000 bayerischen Gefallenen des Russlandfeldzuges Napoléons im Jahr 1812, bei dem Bayern an der Seite Frankreichs stand. Die Brienner Straße und die Barer Straße, die den Platz kreuzen, sind dagegen nach Orten von Schlachten der Befreiungskriege gegen Napoleon benannt, an denen nach einem Seitenwechsel bayerische Soldaten gegen französische kämpften.

Straßenporträt

Quelle: Kristina Milz

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Vom Karolinenplatz aus gut sichtbar, kommt eine andere Großmacht ins Spiel: Das Amerika Haus sollte mit seinem umfassenden Angebot an Veranstaltungen zu den USA und Kanada lange Zeit die transatlantische Verbundenheit Bayerns vermitteln. 2013 will die Staatsregierung das Haus der deutsch-amerikanischen Freundschaft schließen - das beschloss das bayerische Kabinett in seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause. Doch inzwischen gibt es wieder Hoffnung: Das Amerika Haus darf möglicherweise doch an seinem angestammten Ort bleiben.

Grundmauern des 'Braunen Hauses' freigelegt, 2006

Quelle: dpa

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Hat man den Karolinenplatz erfolgreich überquert, läuft man direkt auf den nächsten Prachtplatz zu. Bevor man diesen aber erreicht, kommt man an einer großen Baustelle vorbei. Das Bild stammt aus dem Jahr 2006, zu sehen sind freigelegte Ruinen und Keller des berüchtigten Braunen Hauses. Heute sind die Bauarbeiten weiter fortgeschritten: 2013 soll der Neubau fertig sein, denn hier wird ein neues NS-Dokumentations-Zentrum einziehen. Das Braune Haus hatte seinen Namen nämlich nicht wegen seiner Wandfarbe...

"Braune Haus"

Quelle: SZ Foto

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...sondern wegen der braunen Uniformen der Menschen, die einst in der Brienner Straße 45 ein und aus gingen. 1930 kaufte die NSDAP das Palais Barlow und ließ es durch Paul Ludwig Troost renovieren und umbauen. Im Januar 1931 bezog es die Parteileitung als neues nationales Hauptquartier. Ab diesem Zeitpunkt beherbergte es die Büros der Reichsleitung der Partei, des Befehlshabers der SA und ein Arbeitszimmer Adolf Hitlers.

Straßenporträt

Quelle: Kristina Milz

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Nur noch einige Schritte entfernt ist man nun von einer ganz anderen historischen Zeit. Schon von Weitem stechen die drei antik anmutenden Gebäude ins Auge - hier die Antikensammlung.

Straßenporträt

Quelle: Kristina Milz

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Wahrhaft königlich gestaltet er sich, der von den Münchnern so geliebte Platz. Auch zur Glyptothek pilgern Bürger, denen die Antike vermutlich nicht wirklich nahesteht. Nachmittags zum Lesen, Lernen oder Nachdenken genutzt, verwandeln sich die steinernen Stufen zu beiden Seiten vor allem in schwülen Sommernächten zu Treffpunkten junger Menschen - ein kühles Bier schmeckt hier mit Freunden gleich doppelt gut.

Straßenporträt

Quelle: Kristina Milz

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Den Königsplatz verlassend, sucht sich der Blick durch die Propyläen. So mancher mag vor lauter Prunk enttäuscht sein, dahinter eine ziemlich normale Straße zu entdecken.

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Quelle: Kristina Milz

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Recht unscheinbar gestaltet sich die Brienner Straße auf diesem Abschnitt. Und auch das von außen schlicht gestaltete Münchner Volkstheater sieht von innen besser aus als von außen.

Straßenporträt

Quelle: Kristina Milz

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Und auch der letzte Platz kann in baulicher Hinsicht nicht mit den anderen mithalten. Am Stiglmaierplatz sucht man vergeblich nach Münchner Urgesteinen - außer man kennt die Mayer'sche Hofkunstanstalt. 1847 gegründet, wird in der Werkstatt bis heute Kunst aus Glas und Mosaik hervorgebracht und in die ganze Welt getragen. Hier blitzt das Gebäude hinter der Tramstation hervor, gut zu erkennen an der blauen Glaskunst an den Wänden.

Straßenporträt

Quelle: Kristina Milz

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Ein kühles Bier kann man sich zu Ende der Brienner Straße hin zum Beispiel im Münchner Löwenbräukeller gönnen. Das Gebäude liegt bereits auf der Nymphenburger Straße, Hausnummer 2. In diese mündet die Brienner Straße hinter dem Stiglmaierplatz nämlich recht abrupt - und all die Pracht und den Prunk behält sie für sich.

© sueddeutsche.de/tob
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