München Stadtwerke machen mit Gas- und Ölgeschäften überraschend hohe Gewinne

Eine Bohrinsel des Unternehmens Spirit Energy in der Nordsee.

(Foto: Spirit Energy)
  • Ein Joint Venture der Münchner Stadtwerke hat schon im ersten vollen Geschäftsjahr einen Überschuss von 191 Millionen Pfund erwirtschaftet.
  • Vor einigen Jahren lagen die Preise für Öl und Gas noch am Boden, die Investition war nicht ohne Risiko. Doch nun waren sie überraschend hoch und konstant.
  • Das Joint Venture soll weiterhin jährlich circa 500 Millionen investieren.
Von Heiner Effern

Wenn zum Mut auch noch Glück kommt, dann kann aus einer brenzligen Lage plötzlich ein Erfolg erwachsen: Die Stadtwerke München (SWM) haben 2018 mit ihrem Gas- und Ölgeschäft überraschend dicke Gewinne gemacht. Das Unternehmen Spirit Energy, das sie 2017 mit dem britischen Konzern Centrica gegründet haben, hat sein erstes volles Geschäftsjahr mit einem Überschuss von 191 Millionen Pfund abgeschlossen, nach Steuern. Die Konten der erst 2017 entstandenen Firma sind derart gut gefüllt, dass sich die Gesellschafter schon jetzt ordentlich Geld auszahlen können. 300 bis 400 Millionen Pfund insgesamt, die Stadtwerke erhalten davon etwa ein Drittel. Die deutlich mehr als 100 Millionen Euro sollen noch vor dem Brexit nach München fließen. "Es tut gut, wenn das erste volle Jahr so läuft", sagte SWM-Chef Florian Bieberbach.

Die unerwartet und konstant hohen Preise für Gas und Öl sorgen für die erste positive Bilanz des Joint Ventures mit dem Versorger Centrica. 31 Prozent halten die SWM an der gemeinsamen Firma. Dass die Förderung von Gas und Öl zumindest 2018 solch erfreuliche Ergebnisse brachte, davon hätte Bieberbach vor drei Jahren wohl nicht einmal geträumt. Die SWM und ihre kleineren Partner gingen damals mit ihrer Gesellschaft Bayerngas Norge "durch die Hölle". Seit 2006 hatten sie mehr als zwei Milliarden Euro in der Nordsee investiert. Enthalten war da auch ein Kredit über 400 Millionen Euro, weil das Geld ausging. Damals sah es so aus, als ob diese Mittel versenkt worden seien. Die Preise für Öl und Gas waren am Boden.

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Andere große Unternehmen in der deutschen Energiebranche entschieden sich für die Flucht aus dem Geschäft und nahmen in dieser Niedrigpreis-Phase hohe Verluste auf sich - um noch höhere zu vermeiden. Die SWM suchten sich einen großen Partner und verhandelten. Als die Gespräche schon gelaufen seien, erinnert sich Bieberbach, habe ihm ein Topmanager eines großen deutschen Konzerns geraten, so schnell wie möglich aus dieser Verlustbranche rauszukommen. Im Sommer 2017 schlossen die SWM trotzdem den größten Deal ihrer Geschichte ab. Die Bayerngas Norge brachte Lizenzen in vielen attraktiven Feldern ein, hatte aber nicht das Geld, diese zu erschließen. Centrica verdiente mit sprudelnden Quellen gerade Geld, hatte aber kaum Aussicht auf neue Felder.

Hätten die britischen Partner gewusst, wie die Preise daraufhin steigen, hätten die Münchner für ihre nicht erschlossenen Felder eher keine 31 Prozent der Anteile an der neuen Firma erhalten. Doch das Verhältnis der Partner sei sehr gut, sagt Bieberbach. Dabei ist das erste volle Geschäftsjahr erfreulich, aber nicht perfekt gelaufen. Zwar konnten auch die Kosten für den Rückbau von Quellen niedriger gehalten werden als geplant, doch die Fördermenge blieb aus technischen Gründen um zehn Prozent unter dem Ziel. 17 Millionen Barrel Öl und 30 Millionen Barrel Gas wurden es schließlich. 2018 führten die SWM mehr Gas aus eigener Produktion nach Deutschland ein als die Stadt München verbraucht. Trotz des guten Starts sei Euphorie aber nicht angebracht, sagt Bieberbach, weil das Geschäft mit Öl und Gas kritisch sei und es auch bleiben werde. "Wir haben uns ein Finanzpolster geschaffen."

Bei den Stadtwerken werden ein paar Menschen ruhiger schlafen, auch wenn die Zahlen im gemeinsamen Unternehmen Spirit Energy immer noch aufregend sind. Etwa 500 Millionen soll die Firma weiter investieren, jedes Jahr. Das Geld soll komplett aus Eigenmitteln kommen, die Gesellschafter wollen nichts zuschießen. Die Aufteilung von zwei Drittel Gas und ein Drittel Öl soll bleiben. Ein Drittel das Gases wiederum erhalten die Stadtwerke und können es über Pipelines bis nach Deutschland leiten. So lange Gas als fossiler Brennstoff notwendig ist, wollen die SWM im Geschäft bleiben. Das Versorgungskonzept der SWM sieht derzeit vor, von Mitte der 2030er Jahre an ihre Beteiligung schleichend zu reduzieren.

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