Münchner Stadtteile: Neuhausen Geschichte, Daten, Fakten

Einst war Neuhausen ein unbedeutendes Bauerndorf, heute kann es mit seinen hübschen Altbauten mit den kleinen Gärten und großen Balkonen leicht mit dem benachbarten Nymphenburg mithalten.

Von Anna Fischhaber

An das einstige Bauerndorf Neuhausen, das in einer Schenkungsurkunde von Roudolfus de Niwenhusen an das Kloster Schäftlarn aus der Zeit des Abtes Heinrich von Schäftlarn (1163-1170) erstmals erwähnt wird, erinnert heute nur noch wenig. Rund um den geschäftigen Rotkreuzplatz dominieren hübsch renovierte Altbauten das Viertel. Mit seinen vielen kleinen Ateliers und der originellen Kneipenkultur kann es heute leicht mit den benachbarten Nymphenburgern, die mit ihren herrschaftlichen Villen immer etwas naserümpfend auf die Neuhauser herabgeblickt hatten, mithalten. Doch das war nicht immer so. Viele Jahrhunderte lang war Neuhausen ein Dorf in ungünstiger Lage - die Neuhauser hatten weder fruchtbaren Boden noch Wasserzugang. Erst die Gründung Münchens brachte den ersten Aufschwung.

Hübsch renovierte Altbauten mit kleinen Gärten und großen Balkonen machen Neuhausen zur beliebten Wohngegend.

(Foto: Fischhaber)

Nun lag Neuhausen am Zubringer von der neuen Isarbrücke zum Menzinger Sommerübergang über die Würm und nach Dachau und Augsburg und gewann als Verkehrsknotenpunkt an Bedeutung. Dennoch blieb Neuhausen zunächst eine kleine Siedlung. Aufzeichnungen aus dem Jahr 1468 belegen nur 25 Anwesen. Erst als die Großstadt München immer mehr wuchs, wuchs auch Neuhausen. Zählte man 1839 noch 400 Einwohner, waren es 1888 bereits 11.450. Die Ansiedlung von Industriebetrieben und Brauereien machten aus Neuhausen einen wirtschaftlich blühen Arbeitervorort mit vielen Geschäften. Entlang der Gleisanlagen finden sich noch heute viele Firmen. Auf dem Gelände des ehemaligen Containerbahnhofs entsteht mit dem Arnulfpark derzeit ein ganz neues Quartier.

1890 wurde Neuhausen schließlich eingemeindet. Nun baute man Schulen, Alten- und Kinderheime, Villen und Mietshäuser rund um den Rotkreuzplatz, der bis heute urbanes Zentrum des Stadtteils ist. Trotz der sechs Straßen, die hier zusammentreffen, fühlt man sich auf dem Platz mit seinen kleinen Buden und den italienischen Straßencafés manchmal eher wie in einem südländischen Dorf. Seinen Namen erhielt der Platz, an dessen Weiher einst das Vieh getränkt wurde, 1903. Damals stand dort das Jagdschloss, das die Wittelsbacher als Ausgangspunkt ihrer Jagdausflüge rund um das Schloss Nymphenburg nutzten. Der Frauenverein vom Roten Kreuz errichtete auf dem Gelände ein Krankenhaus - und der Rotkreuzplatz bekam seinen Namen.

Im Krieg wurden diese Bauten zerstört, nur die Klinik wurde wiederaufgebaut. 1967 kam das Rotkreuz-Hochhaus hinzu, heute Wahrzeichen Neuhausens. Den ganz besonderen Charme des Viertels machen aber die ruhigeren Nebenstraßen rund um den Rotkreuzplatz aus, die von den Bomben verschont blieben. Hier findet man hübsch renovierte Altbauwohnungen mit kleinen Gärten und großen Balkonen. Noch grüner wird es in Richtung Schloss: Am Nymphenburger Kanal tummeln sich im Sommer die Jogger, im Winter ziehen hier Schlittschuhläufer ihre Runden.

Daten und Fakten:

(folgende Zahlen beziehen sich auf den 9. Stadtbezirk, zu dem neben Neuhausen auch Nymphenburg gehört)

Fläche: 1.291,45 Hektar hat Neuhausen-Nymphenburg, davon 359,69 Hektar, also 28 Prozent, Erholungsfläche - so viel wie kaum ein anderer Münchner Stadtbezirk

Bevölkerung: 89.286 Menschen leben in Neuhausen-Nymphenburg, mehr Einwohner hat nur Ramersdorf-Perlach. Der Ausländeranteil beträgt 20,7 Prozent - und liegt damit knapp unter dem Münchner Durchschnitt

Verkehrsanbindung: Die U1 verbindet Neuhausen mit dem Olympia-Einkaufs-Zentrum (OEZ) und der Innenstadt. Die S-Bahnstationen des Bezirks, Hirschgarten und Donnersbergerbrücke, liegen auf der Stammstrecke

Kultur und Bildung: Kulturell hat Neuhausen-Nymphenburg einiges zu bieten - in dem Stadtbezirk gibt es fünf Museen, acht Bibliotheken, sieben Theater und ein Kino

Kinderbetreuung: In 66 Einrichtungen werden 3125 Kinder betreut

(Stand: 31.12.2009, mit freundlicher Unterstützung des Statistischen Amtes der Landeshauptstadt)

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