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Münchner Stadtteile: Au:Geschichte, Daten, Fakten

Au

Früher war die Au wohl ein Fischerdorf, die Isar mit ihren Verästelungen eignete sich gut für den Fang und die Zucht.

(Foto: Fischhaber)

Einst war die Au die Heimat der Gauner und leichten Mädchen - nur wer sich das Bürgerrecht in der Stadt nicht leisten konnte, zog in die Vorstadt am rechten Isarufer. Heute gibt es kaum einen Münchner, der nicht gerne in der Au leben würde.

"Die Au wird zwar als eine der Vorstädte von München betrachtet, hat aber gar manche Eigentümlichkeit", schrieb ein Chronist im Jahr 1816 - und meinte damit den Strom, die eigenen Feste und Märkte, vor allem aber die Auer, die "sich in sittlicher Hinsicht bemerkbar von den übrigen Münchnern" unterschieden. Erstmals erwähnt wurde die Au bereits im 13. Jahrhundert als "owe" oder "ouwa", als "Insel oder Halbinsel, welche ein Fluss durch seine Arme bildet". Auf älteren Landkarten sind diese Wasserarme noch deutlich zu sehen - noch im 18. Jahrhundert führte der Weg von München in die Au über den "Haupt-Isar-Fluss", den "alten Isarfluß" und den "Ablaufkanal des Auerbachs". Früher war die Au wohl ein Fischerdorf, die Isar mit ihren Verästelungen eignete sich gut für den Fang und die Zucht.

Eines der ersten Häuser in der Au soll das Anwesen eines herzoglichen Wild- und Aumeisters gewesen sein. Der Adel nutze damals den Ort als Ausgangspunkt für die Jagd. Bald gab es eine Reihe von Lustgärten und Landhäusern, die der Adel in der "Aue zu Gyesing" unterhielt. 1808 wurde die kurfürstliche Hofmark Au als eigenständige Vorstadt bestätigt und erhielt sogar ein eigens Wappen: Auf einem blauen Schild erhebt sich ein grüner Berg und eine Lilie. Mit München wuchs auch die Au: Tagelöhner, Dienstboten und die Landbevölkerung, die sich das Bürgerrecht in der Stadt nicht leisten konnte, siedelten sich an. Das Verhältnis zwischen den Arbeitern aus der Stadt und der Vorstadt war schwierig - immer wieder kam es zu Konkurrenzkämpfen. In die Analen ist etwa der Bäckerkrieg eingegangen, ein Krieg um die Produktion von Weißbrot, die lange nur den Münchnern gestattet war.

Im Jahr 1814 lebten in der Au 1700 Familien in etwa 570 Häusern, 1835 waren es bereits 10.000 Menschen. Ein Gewirr von planlos angehäuften Häusern in krummen und ziemlich dreckigen Gässchen entstand. Schon zu Beginn des 17. Jahrhunderts galt die Au als völlig überlaufen, ein Chronist berichtet damals empört von Bauarbeitern, die Witwen jedes Alters heiraten, nur um ein Wohnrecht in der Au zu erlangen. Zweihundert Jahre später hatte sich eine Fremdenpolizei etabliert, um die Vorstadt gegen Gesindel und Gauner zu schützen. "Der Au Missgesinnte erzählten die boshafte Anekdote, der Scharfrichter von Wien hätte die Au für eine große Stadt gehalten, weil er so viele aus der Au zum Köpfen bekomme", schrieb ein Arzt in jener Zeit. 1854 erfolgte schließlich die Eingemeindung der damals 10.840 Einwohner zählenden Vorstadt.

Die Au, Giesing und Haidhausen gehörten nun zu München. Seitdem hat sich viel getan: Nur noch etwa ein Fünftel der Häuser in der Au stammen aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg, bei Münchnern ist das einstige Arbeiterviertel dennoch äußerst beliebt - an den Isarauen lässt es sich einfach gut leben. Allerdings hat sich die Au weniger verändert als etwa das benachbarte Haidhausen. In dem Viertel geht es bis heute gelassener und traditioneller zu - beispielsweise auf der Auer Dult mit ihren kleinen Buden mit Trödel und Antiquitäten, die immer noch dreimal im Jahr auf dem Mariahilfplatz stattfindet. Ein zweiter fester Termin im Auer Kalender ist der Starkbieranstich auf dem Nockherberg. Dann ist das Viertel von Trachtlern bevölkert und die Münchner Politprominenz bekommt im Salvatorkeller zum Bier deftige Sprüche serviert.o Hektar gehört Haidhausen-Au zu den dichtbesiedelsten Stadtbezirken Münchens - geschlagen nur von Schwabing-West. Der Ausländeranteil ist mit 21,2 Prozent durchschnittlich.

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