Münchner Sicherheitskonferenz So viel Pathos war nicht zu erwarten gewesen

2008 war McCain für die Republikaner gegen Obama und Biden bei der Präsidentschaftswahl angetreten. Aber selbst im Wahlkampf habe McCain "nie seine Prinzipien von Respekt und Achtung vor dem Gegner aufgegeben", so Biden - ein erster Hieb gegen Trump. Solch gegenseitiger Respekt unter Partnern und Nationen sei bislang auch immer Grundlage amerikanischer Außenpolitik gewesen, nicht ein purer Nationalismus - Bidens nächster Treffer gegen den amtierenden Präsidenten. Seine Worte kann man als Gegenentwurf zum bis dahin lauen Münchner Auftritt der Amerikaner sehen. Eine enge, faire Partnerschaft freier, demokratischer Länder sei "die letzte, beste Hoffnung für die Menschheit".

So viel Pathos und Emotion war von dem Abend nicht zu erwarten gewesen. Im Mittelpunkt steht nämlich zunächst Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, der seinen ersten Auftritt bei einer Sicherheitskonferenz ausgerechnet in der Residenz zelebriert. "Ein beeindruckender Rahmen für eine beeindruckende Freundschaft", so der Premier. Pflichtschuldigst versichert Gastgeberin und Vize-Ministerpräsidentin Ilse Aigner Netanjahu die selbige: "Ich versichere Ihnen: Die Menschen in Bayern und in Deutschland sind an Ihrer Seite, an der Seite Israels."

Der Premier hätte freilich auch gern deutsche Konzerne an seiner Seite, mit denen Israel Sicherheitstechnologie entwickeln möchte, gegen Cyberkriege und atomare Bedrohungen. Und praktischerweise sitzt Siemens-Chef Joe Kaeser mit am Ehrentisch. Im Saal ist in etwa gleich viel Industrie, Militär und Politik vertreten. Wenn von "Werten der westlichen Welt" gesprochen wird, hat das deshalb an diesem Abend lange Zeit eine doppelte Bedeutung - bis zur Rede von Joe Biden und den Tränen von Cindy McCain.

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