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Münchner Sicherheitskonferenz:Leibwächter und Touristenführer

Joe Biden bei der Münchner Sicherheitskonferenz.

Schon Wochen vor dem Besuch von US-Vizepräsident Biden schickte der Secret Service 30 Leute nach München.

(Foto: Johannes Simon/Getty Images)

"Der Job besteht vor allem aus Kopfarbeit, nicht aus Muskeleinsatz": Die Personenschützer der Polizei lassen die Politiker bei der Münchner Sicherheitskonferenz nicht aus den Augen - und müssen manchmal auch zum Gebet oder zum spontanen Bratwurstessen.

Es ist nur ein Wochenende, zu dem die Minister, Generäle und Staatschefs einmal im Jahr nach München reisen, um an der Sicherheitskonferenz im Hotel Bayerischer Hof teilzunehmen. Doch die Arbeit für die Personenschützer, die sich um die Sicherheit der Staatsgäste kümmern, beginnt schon Wochen vorher.

Als zum Beispiel US-Vizepräsident Joe Biden im vergangenen Jahr in die Stadt kam, schickte der Secret Service 30 Männer voraus, die sich mit der Polizei absprachen und das Hotel, die Strecke zum Flughafen, den Tagungsort und andere markante Orte des Besuchs überprüften. Sogar ein Krankenhaus inspizierten sie und stellten für das Wochenende einen Personenschützer ab, der dort für den Notfall wartete - falls Biden etwas passieren sollte, wäre so auch schon die Klinik gesichert.

Es ist ein extremer logistischer Aufwand, den die Personenschutzkommandos für die Sicherheitskonferenz in Zusammenarbeit mit zahlreichen anderen Abteilungen der Polizei leisten. "Der Job besteht vor allem aus Kopfarbeit, nicht aus Muskeleinsatz", sagt Thomas Baumann.

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"Manchmal spielt man regelrecht Touristenführer"

Der 44-Jährige, der inzwischen als Pressesprecher der Münchner Polizei arbeitet, war bis vor Kurzem selbst beim Personenschutz tätig. Baumann hat viele Staatsgäste betreut, neben Biden etwa Ban Ki Moon, Recep Tayyip Erdoğan, Bill Clinton und den jordanischen König Abdullah II. Manche der zu beschützenden Personen hat er dabei ein bisschen näher kennengelernt. "Manchmal spielt man regelrecht Touristenführer, weil sie einen ständig etwas fragen. Da hilft man gerne weiter."

Mit anderen dagegen hat er kaum ein Wort gewechselt. Auf jeden Fall ist ein Personenschützer so nahe dran, dass er die Eigenheiten der Staatsgäste mitbekommt. "Der frühere US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld", erinnert sich Baumann, "hat bei der Sicherheitskonferenz immer einen Umweg genommen, wenn er von einem Meeting zum nächsten ging." So habe er ganz nebenbei etwas für seine Fitness tun wollen. Seine zurückgelegten Meter überprüfte Rumsfeld sogar extra mit einem Schrittzähler.

So ein kleiner Umweg bringt die Personenschützer nicht gleich aus dem Konzept. Sie müssen immer wieder spontan reagieren, wenn etwa einem der Staatsgäste am Abend einfällt, dass er die Einladung zum offiziellen Empfang lieber ausschlägt, um privat im Bratwurstglöckl an der Frauenkirche zu essen. Eigentlich sind die Abläufe an so einem Wochenende aber minutiös vorgeplant. "Der Personenschützer ist dabei nur ein kleines Rädchen in der gesamten Polizeiorganisation, die für die Sicherheit sorgt", sagt Baumann. So müssen sie sich bei der Fahrt vom Flughafen in die Innenstadt mit Bereitschaftspolizei und Verkehrspolizei abstimmen, um den Streckenschutz und die Lotsung zu gewährleisten.

Joe Biden wollte unbedingt zu einem Gottesdienst

Je gefährdeter ein Politiker, desto strikter sind die Maßnahmen, bis hin zu kurzen Totalsperrungen von Brücken, Kreuzungen und Straßen, damit der Konvoi des Staatsgastes ungehinderte Fahrt hat. Absprachen gibt es auch mit dem Sprengstoffkommando und Hundeführern, die Hotelzimmer überprüfen, oder mit örtlichen Polizeiinspektionen, die ihre Leute als Hotelwachen einsetzen.

Der Personenschützer ist vor allem ein Koordinator. So muss er etwa bei Autofahrten über Funk ankündigen, wann genau eine Kreuzung gesperrt werden soll. Und er muss für den Notfall wichtige Informationen im Kopf haben: Lagepläne von Gebäuden, den Weg zum Notausgang, den kürzesten Weg zum Wagen oder auch Notrufnummern von Kliniken und Ärzten. "Es ist nicht Aufgabe eines Personenschützers, sich bei einem Attentat sinnlos in die Schusslinie zu werfen", sagt Baumann. Er müsse aber versuchen, die Schutzperson trotz eigener Lebensgefahr aus der Schusslinie zu ziehen.

Dabei ist es gar nicht so einfach, gerade bei großen Veranstaltungen den Überblick zu behalten. US-Vizepräsident Joe Biden etwa wollte bei einem früheren Besuch in München im Jahr 2009 unbedingt zu einem Gottesdienst gehen. Als er in der Kirche die beiden Pfarrer begrüßte, näherte sich ihm ein dritter Mann. Die Männer vom Secret Service hielten den Fremden für einen Ministranten, weil er eine Kutte trug. Die Personenschützer vom Präsidium München dagegen erkannten die Gefahr: Der Mann war offenbar geistig verwirrt. Bevor er Biden zu nahe kam, verwiesen sie ihn der Kirche.

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