Münchner Sicherheitskonferenz:Gegen alles Böse

Lesezeit: 1 min

Sicherheitskonferenz München Bayern Deutschland Gegendemonstration von linken Gruppierungen und

"Freiheit für die Bundeswehr!", forderte am Samstag dieser Demonstrant mit einer Gauck-Maske

(Foto: Imago Stock&People)

Die einen demonstrierten gegen Krieg und NSA, die anderen gegen Hunger, Kapitalismus oder türkische Kampfjets. Der Protest gegen die Münchner Sicherheitskonferenz zerfasert - und verliert seit Jahren an Wucht.

Ein Kommentar von Florian Fuchs

Phantasievoll soll der Protest gegen die Sicherheitskonferenz sein, das betonen die Organisatoren jedes Jahr. Auch am Samstag also tanzten wieder Frauen mit Regenschirmen Samba, Demonstranten verkleideten sich als Lenkraketen, die Lautsprecherwagen spielten Reggae und Hip-Hop. Es war tatsächlich ein bunter Haufen, der da durch die Innenstadt zog, viele Passanten schauten zu. Viele Passanten waren hinterher aber auch ein bisschen ratlos: Gegen was genau, das war die Frage, demonstrieren die da jetzt eigentlich?

Eine Antwort können wahrscheinlich nicht einmal die Organisatoren selbst geben. Natürlich hatten sie ein offizielles Motto: "Kein Frieden mit der Nato". Auf Schildern und Transparenten im Protestzug, in Gesängen und in Parolen ging es dann aber nicht nur darum, gegen die Tagung im Bayerischen Hof zu wettern. Die einen demonstrierten gegen Krieg und NSA, die anderen gegen Rüstung und türkische Kampfflugzeuge. Vorne im Protestzug ging es gegen den Kapitalismus, hinten verdammten sie den Hunger und überhaupt die Armut. Wenn ein Protest so zerfasert, verpufft die Wirkung.

Tatsächlich verliert die Kundgebung seit Jahren an Wucht. Die Polizei zählte dieses Jahr nur 2500 Teilnehmer, früher waren es wesentlich mehr. Und das, obwohl die Organisatoren so kreativ waren wie selten, etwa mit der Picket-Line: Erstmals zog ein Teil der Demonstranten mitten durch die Fußgängerzone. Neben der Planung von bunten Aktionen sollten die Gegner der Sicherheitskonferenz im nächsten Jahr aber unbedingt darauf achten, auch ihre Stimmen zu bündeln.

Im Bayerischen Hof tagen mit Ministern und Staatsoberhäuptern auch die Bosse von Rüstungsunternehmen. Ein zielgerichteter Protest, der so eine Veranstaltung mahnend begleitet, ist wichtig. Eine Demonstration dagegen, die sich irgendwie gegen alles Böse auf der Welt richtet, ist ein paar Tage später schon wieder vergessen.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Abo kündigen
  • Kontakt und Impressum
  • AGB