Wenn man nach einer kurzen, knappen Definition für Schach sucht, dann trifft es wohl diese Aussage am besten: ein intellektueller Zweikampf, bei dem die Spieler mit klugen Strategien versuchen, den Gegner auszutricksen. Aber kann Schach, dieses Brettspiel, das kognitive Fähigkeiten wie logisches Denken, Konzentration, Gedächtnis und Planung voraussetzt, auch unterhaltsam sei? Ja, das kann es. Und wie. Denn was sich Stefan Kindermann mit Kolleginnen und Kollegen von der Münchner Schachstiftung für den diesjährigen Charity-Abend ausgedacht haben, war Entertainment mit überraschenden, launigen und zauberhaften Momenten.
Für Letztere sorgte Magierin Orélie, die mit französischem Charme und einem Schuss Poesie den zahlreichen Gästen im Festsaal des Fünfsternehotels nicht nur einmal ein Lächeln auf die Lippen zauberte. Sie konnte nicht nur die von Gästen an den festlich gedeckten Tischen gewürfelte Augenzahl erraten, ohne hinzusehen. Sie verwandelte auch einen 50-Euro-Schein in eine Spendenquittung. Keine Überraschung eigentlich, dass ein Zauberabend mit ihr für 2200 Euro ersteigert wurde. Aber dazu später mehr.

Zwischen geschäumten Kartoffelsüppchen, Rinderfilet auf Sellerie-Risotto und einem Desserttörtchen aus grünem Tee mit Passionsfrucht gab es aber natürlich, und das lag ja in der Natur der Dinge, Unterhaltsames rund um das Schachspiel. Dafür legten auch die beiden Kommunalwahlkämpfer, die Münchner Stadträte Manuel Pretzel (CSU) und Jörg Hoffmann (FDP), ihre Rivalität an der Hotelgarderobe ab, um den Wohltätigkeitsabend mitzugestalten. Pretzel mit einem Grußwort im Namen der Stadt und großem Lob für die karitative Arbeit der Schachstiftung mit benachteiligten Kindern. Und Hoffmann später gemeinsam mit Stiftungsgründer Roman Krulich als Spieler in einer Blindschachpartie gegen Großmeister Kindermann.
Der freute sich über die vielen Gäste, die sich an der Maximilianstraße eingefunden zu haben, um das Spiel der Spiele zu feiern und den Geldbeutel zu zücken. Das Hotel aus der Kempinski-Gruppe mit seinem General Manager Holger Schroth gehört als Ausrichter des Charity-Abends zu den Freunden der Stiftung. Eine gewinnbringende Kooperation, die während der Corona-Zeit entstanden sei, wie Schroth erzählte. Bei all den Einschränkungen, die die Pandemie mit sich gebracht hatte, habe man Münchnerinnen und Münchnern mit Veranstaltungen im Hotel etwas Abwechslung bescheren wollen. Die Schachstiftung mit ihrem Engagement für benachteiligte Kinder als Partner sei schnell gefunden gewesen. „Die Ausrichtung dieses Abends ist unser Beitrag für deren Arbeit“, sagte Schroth. Die Kempinski-Gruppe stiftete für den Höhepunkt des Abends, die Versteigerung für den guten Zweck, zudem wertvolle Aufenthalte für zwei unter anderem im Berliner Adlon oder im Grand Hotel des Bains in St. Moritz. Unter den Hammer kamen aber auch Schachtrainings, unter anderem mit Deutschlands derzeit bester Schachspielerin Dinara Wagner, 26, die mit ihrem Mann Dennis aus Heidelberg nach München gekommen war.

Was aber nun geschieht Gutes mit dem Geld, einer schönen fünfstelligen Summe, das an diesem Abend zusammenkam? Stefan Kindermann erklärte das mit dem Titel der Veranstaltung, „Die Kunst der Konzentration“. Der Erlös der Versteigerung kommt zu 100 Prozent den Schulprojekten der Stiftung zugute. Darin lernen Kinder, die durch ungünstige Umstände in ihren Elternhäusern in der positiven Entwicklung eingeschränkt sind, nicht nur Schach, sondern auch noch mehr Erstaunliches. „Wir setzen ein Grundschulkind, das nervös und zappelig ist, vor ein Schachbrett und erleben, wie es plötzlich fünf, zehn oder sogar 20 Minuten ganz ruhig wird, weil es in die magische Welte des Spieles eintaucht“, sagte Kindermann. Die Rückmeldung von Lehrkräften sei unglaublich. „Schachkinder können sich besser konzentrieren, weil Konzentration kein Zwang sei“, sagte Kindermann.
Zwar keinen Zwang, aber doch freundlich sanften Druck auf die Gäste übte die österreichische Schachmeisterin Veronika Exler aus, die sich als Auktionatorin auf der Bühne mindestens so erfolgreich wie beim Schachspiel zeigte. Eine Porträtaufnahme von Magnus Carlsen, Schachweltmeister von 2013 bis 2023, wechselte für 5200 Euro den Besitzer. Aufgenommen hatte das Werk Stev Bonhage, der aktuell als weltbester Schachfotograf die Fotografie persönlich überreichte.

Auch SZ Gute Werke, das Spendenhilfswerk der Süddeutschen Zeitung, unterstützt die Münchner Schachstiftung regelmäßig mit Spenden. Zu Recht, wie Geschäftsführerin Sandra Geisler sagte, denn die Arbeit sei wirklich herausragend.
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