Staunenswert begann dieses lebendige, insgesamt animierende Konzert in der Isarphilharmonie: Der neue Solocellist der Münchner Philharmoniker, Marcel Johannes Kits, eröffnete Gioachino Rossinis „Wilhelm Tell“-Ouvertüre so elegant in der Aufstiegsgeste wie tonschön im Klang, dass alle sofort bezaubert waren. Und die ganze Cellogruppe folgte in diesem Stil und webte eine fein strukturierte musikalische Landschaft. So nobel angeregt gelang Rossinis Ouvertüre in den bukolischen Teilen liebenswürdig und in den effektvollen schnellen Teilen mit ihren typischen Crescendi auf den Punkt getroffen. Der junge Cellomeister wurden herzlichst bejubelt.
Am Pult agierte Ha-Na Chang, die für rund ein Jahrzehnt als eines der ganz großen Cellotalente galt, nachdem sie 1994 in Paris den Concours Rostropowitsch gewonnen hatte - mit gerade mal elf Jahren. Doch seit 2007 hat sich Ha-Na Chang ganz dem Dirigieren gewidmet und seitdem bei namhaften Orchestern in den USA und in Asien auch beim Concertgebouw, der Staatskapelle Dresden oder den Bamberger Symphonikern erfolgreich gastiert.

Ihr Dirigieren ist erfüllt von Ausdruckswillen, kommunikativer Kraft und überzeugt durch geistige und körperliche Beweglichkeit, wie der Abend zeigte. Die Münchner Philharmoniker boten unter ihrer engagierten, dem Orchester zugewandten Leitung neben Rossini Ludwig van Beethovens 4. Symphonie op. 60 mit rhythmischem Schwung, konzentrierter Wachheit und insgesamt mit manchmal allzu direkter symphonischer Vitalität, was vergnügt gefeiert wurde.
Zwischen Rossini und Beethoven stand Franz Schuberts Sonate für Streichgitarre, „Arpeggione“ genannt, und Klavier. Das Stück lebt von intimer Virtuosität und bittersüßer Melodik wahrlich aus kammermusikalischem Geist. Hier erklang es als solistisches Stück mit der Orchestrierung vom Schweizer Cellisten Antonio Tusas. So sehr sich die Cellosolistin Anastasia Kobekina auch mühte, wirklich zünden konnte die Sonate in dieser ihrem Charakter fremden Version nicht. Erst die Zugabe eines Tanzes von Vater Vladimir Kobekin löste Begeisterung aus. Das schönste Cellosolo war aber gleich am Anfang des Abends erklungen.

