Die Münchner Philharmoniker im KonzertEin Wiedersehen mit Kent Nagano

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Kent Nagano macht symphonische Skizzen Debussys zum musikalischen Bilderbogen.
Kent Nagano macht symphonische Skizzen Debussys zum musikalischen Bilderbogen. (Foto: Tobias Hase / mphil)

Der ehemalige Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper dirigiert die Münchner Philharmoniker in einem Konzert, in dem auch die Sängerin Marianne Crebassa begeistert.

Kritik von Paul Schäufele

Wenn Kent Nagano nach München kommt, kommt er als Freund. Als einer, den man mit Freude wiedersieht. Denn Nagano, den die Münchner seit seiner Zeit als Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper gernhaben, trägt Qualität in seinem Frackrock mit sich. Besonders hörbar wird das in Musik, in der er sorgfältig die Farben seiner reichen Klang-Palette mischen kann.

Debussys drei symphonische Skizzen „La Mer“ werden so unter dem disziplinierten Dirigat Naganos in der Isarphilharmonie zum musikalischen Bilderbogen. Weniger denkt man dabei allerdings an impressionistische Aquarelle als an den japanischen Farbholzschnitt, der auch in Debussys Arbeitszimmer hing: Klare Linien, abgestimmte Nuancen, Transparenz, genau kalkulierte Höhepunkte und charakteristisches, virtuoses Spiel der Münchner Philharmoniker, das auch in den kräftig ausgeführten Fortissimo-Stellen nicht harsch klingt.

Das Auftragswerk des Orchesters, mit dem der Abend beginnt, verlangt nach weniger Klangsensibilität. Rodolphe Bruneau-Boulmiers „Caída libre“ ist blockweise strukturiert, wobei von einem Zeitpunkt an fast nur noch mit vollem Orchester-Apparat musiziert wird. Anfängliche Dissonanzen lösen sich in ein Zitat aus Giovanna Marinis Pasolini-Lied und fächern sich auf in breite Akkorde. Das Dur gewinnt und bekommt respektvollen Applaus.

Mehr emotionale Beteiligung provoziert Marianne Crebassa mit einer weitsichtigen Interpretation von Berlioz’ „Les Nuits d’été“. So wirkt die einleitende Villanelle schon leicht verhangen, als würde sie die Trübnis der folgenden Sätze vorwegnehmen – Crebassas samtig dunkle Stimme trägt dazu bei. Konsequent entwickelt sie über Naganos aufmerksamer Begleitung den Zyklus von Verliebtheit, Verlassenwerden und Bereitschaft, sich zu Neuem aufzumachen. Das tut sie mit Gespür für die weit gespannten Phrasen von „Le Spectre de la rose“ wie für die Untiefen von „Sur les lagunes“. Glänzend extrovertiert erscheint sie dann im Finalsatz. Der Beifall kommt ehrlich bewegt und reichlich: Bravo-Rufe für die Sängerin und den immer willkommenen Dirigenten.

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