Es gibt an diesem Abend wahrlich keinen Grund für Kulturpessimismus. Die Münchner Philharmoniker geben ihr erstes Jugendkonzert der Saison, und die Isarphilharmonie ist voll mit 1700 jungen Menschen (und ein paar Erwachsenen). Deren Konzentration ist bewunderungswürdig, von wegen Aufmerksamkeitsspanne von der Dauer eines Tik-Tok-Videos. Erst beim letzten Stück des Abends macht sich ein bisschen Unruhe breit, aber auch hierin ist das junge Publikum kompetent: Alexander Borodins zweite Symphonie taugt nicht unbedingt für ein fesselndes Erlebnis, da kann Santtu-Matias Rouvali die Philharmoniker anfeuern, so viel er will.

Operette:Im Zuckerbäckerstil
Eine sowjetische Operette von Schostakowitsch? Das gibt es, in Graz sogar mit Harald Schmidt – dessen kleine Boshaftigkeiten die klebrige Süße von „Moskau, Tscherjomuschki“ nicht abmildern.
Egal, es ist ein Fest. Erst einmal Rachmaninows zweites Klavierkonzert, den Solopart spielt Kirill Gerstein, Begeisterung bricht sich Bahn, nach jedem Satz wird geklatscht, warum den auch nicht. Gerstein spielt mit ebenso expliziter wie würdevoller Contenance und genau so viel zirzensischem Eifer, wie das Stück braucht. Er ist auch ein wenig in sich gekehrt, aber Rouvali versteht ihn, passt auf ihn auf. Rachmaninow ist hier ein Meister des poetischen, sehr zugänglichen Effekts, die Philharmoniker spielen mit größter Lust, die Holzbläser brillieren.

Zu den Jugendkonzerten gehört Malte Arkona. Er erklärt einiges, hat eine lustige Schautafel mit den Biografien der Komponisten dabei, charmiert das junge Publikum und plaudert mit Gerstein. Ergebnis: Eine junge Besucherin wird nach Berlin in dessen Unterricht eingeladen. Gerstein ist, neben all seinem tollen Künstlertum, ein begeisterter, neugieriger Pädagoge.
Daneben erfährt man noch viel über Schostakowitschs Aufenthalt in Gohrisch, damals DDR-Erholungsheim. Die Münchner Philharmoniker spielen dann Teile der Suite zu dessen Operette „Moskau, Tscherjomuschki“, entfesseln Galopp, Walzer und allerherrlichste Süße, man hört das Duett „Doswidanja Sascha, Doswidanja Mascha“ mit, ohne dass es explizit erklingt. Das alles macht fabelhaft viel Freude, das junge Publikum ist begeistert.

