Konzertkritik:Hoffnungsvolles Schicksalslied

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Konzertkritik: Nathalie Stutzmann bei einer Orchesterprobe mit den Münchner Philharmonikern.

Nathalie Stutzmann bei einer Orchesterprobe mit den Münchner Philharmonikern.

(Foto: Tobias Hase/Münchner Philharmoniker)

Die französische Sängerin und Dirigentin Nathalie Stutzmann, frisch gekürte Musikdirektorin in Atlanta, debütiert bei den Münchner Philharmonikern.

Von Klaus Kalchschmid

Was für ein feines, trauervoll-tröstendes November-Programm mit Chor und Orchester der Münchner Philharmoniker im schwarzen und doch auch akustisch so warmen Holzkasten der Isarphilharmonie: "Schicksalslied" nach Friedrich Hölderlin von Johannes Brahms, Max Regers "Requiem" und Tschaikowskys Fünfte.

Nathalie Stutzmann, bis vor kurzem die große Altistin mit der so unverwechselbar tiefen Stimme, jetzt aber Chefdirigentin des Kristiansand Symphony Orchestra, erste Gastdirigentin des Philadelphia Orchestra und seit dieser Saison auch Musikdirektorin des Atlanta Symphony Orchestra, triumphierte bei ihrem Debüt mit den Münchner Philharmonikern ebenso uneitel wie präzise und mit staunenswerter Ökonomie auch in ihrer Körpersprache.

Schon bei Brahms und Reger erlebte man differenziert abgestuftes Musizieren im Orchester und bei Wiebke Lehmkuhl, wenn sie mit warm flutendem Mezzo Hebbels "Seele vergiss sie nicht, Seele vergiss nicht die Toten" sang. Und der Philharmonische Chor ließ das "Schicksalslied" fast durchweg im Ton der lichten Momente des Brahms-Requiem leuchten.

Nach der Pause galt die ganze Konzentration den Farben des Orchesters: Tschaikowskys Fünfte, die so unterschiedlich von einem Schicksals-Motiv durchzogen ist, das nach Dur gewendet am Ende vermeintlich majestätisch triumphiert, klingt selten, bei aller Leidenschaft, derart transparent und in den Tempi entspannt. Erstaunlich, wie die ungemein prägnant und schön spielenden Philharmoniker immer besser mit der Akustik dieses Saals zurechtkommen, unterscheidet sie sich doch von der im Gasteig erheblich und kommt bei allzu großer Lautstärke manchmal an ihre Grenzen.

Nichts davon war diesmal zu hören und dank feinster agogischer Abstufungen und der Detailarbeit Stutzmanns beglückte immer wieder ein natürliches Fließen der Musik, vor allem in den weniger düsteren Binnensätzen. Grandios aufgefächert dann die gewaltige Architektur des Finales.

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