KritikDunkler Streicherklang

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Die Münchner Philharmoniker unter Gustavo Gimeno führten unter anderem das Auftragswerk "Archora" von Anna Thorvaldsdóttir auf.
Die Münchner Philharmoniker unter Gustavo Gimeno führten unter anderem das Auftragswerk "Archora" von Anna Thorvaldsdóttir auf. Tobias Hase / mphil

Die Münchner Philharmoniker unter Gustavo Gimeno überzeugen in der Isarphilharmonie. Das erstaufgeführte Werk "Archora" der isländischen Komponistin Anna Thorvaldsdóttir wirkt allerdings wie eine Filmmusik ohne Film.

Von Klaus Kalchschmid

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Sergej Rachmaninows "Rhapsodie über ein Thema von Paganini" ist vielleicht sein bestes und schönstes, in jedem Fall sein originellstes Klavierkonzert. Man könnte diese Rhapsodie aber auch eine große Tondichtung nennen, in der das Klavier in 24 Variationen über die 24. Caprice aus op. 1 von Niccolò Paganini zwar immer wieder effektvoll auftrumpfen, aber genau so oft zarteste Fäden spinnen darf oder mit dem wiederholten Zitat des "Dies irae" in die Unterwelt abtaucht. Wenn so farbig und differenziert, so klar im Klavierklang, stets ebenso prägnant wie rund musiziert wird wie von Beatrice Rana, dann gerät das Werk zum Zentrum des Abends mit den Münchner Philharmonikern unter Gustavo Gimeno in der Isarphilharmonie.

Doch in Nikolaj Rimskij-Korsakows symphonischer Suite "Scheherazade" wird nach der Pause, zumindest was das Orchester angeht, noch viel schillernd illustrativer erzählt, angeführt vom verführerischen Gesang der Sologeige (Julian Shevlin). Am Ende der tausendundeinsten Nacht gibt es das von Gimeno in ein rasantes Tempo getriebene, furiose Finale, das noch einmal alle Themen und Motive übereinander türmt, aber der Sologeige und damit der Märchenerzählerin den letzten Triumph beschert.

Zu Beginn hub Anna Thorvaldsdóttir ebenfalls zu einer, allerdings sehr bedächtigen, ruhigen Erzählung an, die im Gegensatz zum orientalischen Lokalkolorit die faszinierend herbe nordische Natur zum Vorbild hat. So begann "Archora" in deutscher Erstaufführung mit extrem dunklem Streicherklang, der bis zum Ende eine Grundierung bildete für alles, was noch folgen sollte. Das war freilich reichlich amorph und wurde, als die Klänge immer tonaler kadenzierten und plötzlich Flöten einsetzten, irgendwann zu einer Filmmusik ohne Film. Der Abend bei der "Nachtmusik der Moderne" im März 2019 mit Werken der Isländerin ist in bester Erinnerung, aber auch da gab es schon ein seltsam in einer Endlosschleife verharrendes (Streicher-)Stück.

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