Cocktailbar Westend "Kongress Bar":Rote Bowle statt Red Bull

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Bowle ist nicht out: Die Kongress Bar auf der Theresienhöhe präsentiert sich im Stil der Wirtschaftswunderzeit - und will ihren Gästen die klassische Cocktailkultur nahebringen.

Michael Tibudd

Dieser Text ist leider veraltet, die Bar gibt es inzwischen nicht mehr.

Cocktailbar Westend "Kongress Bar": Die Crew der ''Kongress Bar'' rund um David Walker (Mitte, mit schwarzem Sakko) und Damir Stabek (links neben Walker) mit Barmann Khudor Lamaa (rechts neben Walker).

Die Crew der ''Kongress Bar'' rund um David Walker (Mitte, mit schwarzem Sakko) und Damir Stabek (links neben Walker) mit Barmann Khudor Lamaa (rechts neben Walker).

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Bowle, wer bitteschön gibt heutzutage schon in aller Öffentlichkeit eine Runde Bowle aus? Diese Mischung aus Sekt, Wein und Obst, die bis in die 1970er Jahre auf keiner Privatfeier fehlen durfte, hat ja doch einen eher zweifelhaften Ruf. Nicht dass sich so leicht irgendwelche Argumente gegen eine gute Bowle finden ließen - nur in Zeiten von Wodka-Red Bull und Aperol Sprizz gilt sie vielen einfach als hoffnungslos altmodisch.

Menschen von den Vorzügen ganz bestimmter Getränke zu überzeugen, das allerdings ist eine Stärke von Barmann Khudor Lamaa, weswegen der 32-Jährige für seine Gäste schon etliche Male diese etwas größere Variante des alkoholischen Mischgetränks zubereitet hat. "Wenn man den Leuten das anbietet, lassen sich viele gerne darauf ein", sagt Lamaa und blickt auf die Sammlung filigran wirkender Schüsseln, die er also ganz offensichtlich nicht nur zu Dekorationszwecken auf dem Regal hinter der Theke positioniert hat.

Khudor Lamaa ist Chef der Kongress Bar, jenem Schmuckkästchen, das seit Mai vergangenen Jahres zu Besuchen in die einstige gastronomischen Einöde auf der Theresienhöhe einlädt. Die Bar ist Bestandteil einer ganzen Reihe von Lokalen, die den Platz gegenüber des Verkehrszentrums des Deutschen Museums seither mit ein wenig Leben füllen. Die einstigen Betreiber des Nachtclubs Registratur, David Walker und Damir Stabek, übernahmen als Pächter den Komplex mit Alter Kongresshalle und dem heute Kongress Garten genannten Wirtshaus, der der Edith-Haberland-Wagner-Stiftung und somit zum Imperium der Augustiner-Brauerei gehört.

Eine Welt für sich

Die Kongress Bar freilich ist eine Welt für sich, und für deren Betrieb haben die beiden Khudor Lamaa ins Boot geholt haben. Er hat sein Handwerk in Pusser's New York Bar gelernt und später einige Jahre in der Negroni-Bar gearbeitet. Seine Vorstellungen decken sich mit denen der Pächter. "Wir wollen hier ein Stück hochwertige Barkultur etablieren", sagt Lamaa, der den Auftrag erhielt, den durch die Räumlichkeit vorgegebenen Stil der Wirtschaftswunderzeit fortzusetzen. So machte er sich auf die Suche nach Inventar wie den Bowleschüsseln und entsprechend zarten Gläsern. "Wir wollen keine Retro-Bar sein", sagt Lamaa. "Wir möchten uns nur ein wenig in diesem Stil der 50er Jahre bewegen."

Das indes geht gar nicht anders, denn das Innere der Bar vermittelt den Eindruck, als trete man in eine vergangene Welt. Die Tische in Nussbaum-Furnier mit ihren schlanken Beinen, die rot bezogenen Stühle, Hocker und Bänke mit den dezenten weißen Rändern; die Lampen, Tischkanten und ein Geländer in Messing.

Vor allem aber die geschwungene Bar, deren Kurvenform von der Decke herab von einem Metallgeflecht fortsetzt wird, hinter dem einige von den Spirituosen hervorscheinen, die man gleich zu sich nehmen könnte. Allenfalls der Umstand, dass das alles ein wenig arg unverbraucht aussieht, erinnert daran, dass die Einrichtung auch erst im 21. Jahrhundert gezielt so zusammengestellt wurde.

Drinks mit erzieherischem Anspruch

Das wichtigste für eine Bar aber sind die Drinks, und da erlauben sich die Macher auf der Theresienhöhe einen erzieherischen Anspruch. "Viele Leute kennen sich nicht so gut aus mit Cocktails", sagt Khudor Lamaa. "Wir Barleute haben es verpasst, klassische Cocktailkultur am Leben zu halten." Zu der gehören nach dem Verständnis der Kongress Bar zumindest auf keinen Fall Getränke im Großformat, mit denen viele Lokale für sich werben. Der Verzicht darauf führt schon einmal zu verwunderten Blicken beim unbedarften Besucher, man ist schließlich genau diese Größe gewöhnt. "Aber die Gäste sind selten enttäuscht, wenn der Whisky Sour nicht im XXL-Glas kommt", sagt Lamaa.

Und welches Publikum zieht all das an? Erstaunlicherweise begegnet einem kein Dünkel. Dabei hilft auch das Konzept jenseits der Getränke. Hier bringen David Walker und Damir Stabek ihre Erfahrung als Nachtclub-Veranstalter ein und bieten insbesondere ein Musikprogramm, das sich vom 08/15-Gedudel abhebt. Regelmäßig buchen Walker und Stabek szenebekannte DJs. Highlight ist bislang am ersten Freitag im Monat die "Jam Session", bei der Musiker an E-Gitarre, Saxophon, Bass und Mikrofon improvisieren - die Veranstaltung füllt die Bar bis auf den letzten Stehplatz.

Da macht sich also ein junger Laden, auch wenn es jenseits der Programm-Besonderheiten noch genügend Tage mit eher überschaubarer Gästezahl gibt. Um auch einmal ein wenig Laufkundschaft anziehen zu können, wünscht sich Barchef Lamar auf der oft noch recht einsamen Theresienhöhe in erster Linie Konkurrenz.

"Das beste, was uns passieren kann? Dass hier am Platz noch vier oder fünf andere Läden aufmachen."

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