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Münchner Momente:Zuckerl, Zugaben und Zuagroaste

Die Stadträte überbieten sich gerade mit Geschenken für bedürftige Stadtbewohner. Aber was ist mit den vielen Gästen?

Gerade sind die Handwerker da. Man kann sie sogar vom Bett aus betrachten. Das ist grundsätzlich sehr angenehm, anderen Menschen beim Arbeiten zuzusehen. Die Männer haben vor dem Schlafzimmerfenster ein großes Gerüst aufgebaut und turnen dort von Stockwerk zu Stockwerk wie einst in der West Side Story auf der Feuerleiter. Es ist ein seltener Anblick - nicht nur ein Gerüst vor dem Schlafzimmerfenster zu haben, sondern leibhaftige Arbeiter zu sehen. Die sind ja recht rar geworden hierzulande, und wenn mal einer kommt, dann nach frühestens einem halben Jahr von weit her aus exotischen Regionen wie Sachsen oder so. Das kommt daher, weil sich das Leben in München ein Arbeiter genauso wenig leisten kann wie ein städtischer Angestellter geschweige denn Eltern mit Kindern. Überhaupt kann sich gar kein anständiger Mensch mehr München leisten.

Deshalb überbieten sich gerade SPD und CSU im Stadtrat mit Vorschlägen, welche Wahlgeschenke sie noch schnell an die Münchner verteilen können. Eintritt frei ins Freibad für alle Pubertierenden, dann sind sie auch gleich weg von der Straße. Freie Fahrt für Rathausbedienstete mit Bus, Tram und Bahn, doppelte München-Zulage für städtische Angestellte, mehr Geld für Mitarbeiter, die sich mit lästigen Münchnern herumschlagen müssen, kostenlose Kindergärten für alle. Es ist ein weites Feld, bis wirklich alle Münchner mit einem Zuckerl bedient sind, also haltet euch ran, liebe Stadträte.

Noch sind viele vom neuen Geldsegen ausgeschlossen, die Singles und Studenten, die Rentner und andere Ruheständler, die Praktikanten und Musikanten. Und was ist mit den Zuagroasten? Wäre da nicht ein Begrüßungsgeschenk das Mindeste? Ein kostenloses Jahresabo in der künftigen Philharmonie zum Beispiel. Wie, die kommt womöglich gar nicht? Wie wäre es dann wenigstens mit einem Begrüßungsdirndl oder einer Grüßgott-Lederhose für Neumünchner? Na ja, wann kann man die schon tragen. Die Wiesn kann sich doch kein anständiger Münchner mehr leisten.