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Münchner Momente:Von Smartphones und Scootern

Warum ein Besuch auf dem Spielplatz mit Sicht auf einen Skateplatz einen jungen Vater schon einmal ins Grübeln bringen kann

Ein Skateplatz ist eine Angelegenheit für Freunde der Parabel. Mit seiner geometrisch austarierten Topografie von Aufs und Abs verhält es sich wie mit der Pubertät. Steil aufgebogene Rampen, riskante Kurven, weite Sprünge; mal führen sie zu Stürzen, mal in totale Euphorie. Obendrein hatte man noch eine gute Zeit. Und während man vorgibt, auf dem Spielplatz nebenan fleißig anzuschaukeln, eignet sich mancher dieser Plätze geradezu fundgrubenartig für Soziotop-Analysen. Zum Beispiel, um das mitunter verantwortungslose und viel zu häufige Nutzen von Smartphones zu studieren. Oder die Erfindung von E-Scootern. Zwei Torheiten, die überdies direkt zusammenhängen. Denn E-Scooter lassen sich nur per Handy-App leihen.

In einem Haidhauser Park ließ sich jüngst beobachten, wie jugendgefährdend das sein kann. Da geht es auf dem Skateplatz plötzlich ähnlich anarchisch zu wie in umliegenden Straßen. Da werden sich auf E-Scootern Rennen geliefert (und das mit Beifahrerin hinten auf dem Trittbrett!). Da werden Handykameras gezückt und die Scooter zwischen Tretrollern und Skateboards auf den Beton-Hindernissen halsbrecherischen Belastungstests unterzogen. Und ob diejenigen am Lenker voll fahrtüchtig sind, darüber lässt sich aus der Ferne nur mutmaßen.

Nach rund einer halben Stunde des besorgten wie nostalgischen Hinüberspähens fragt man sich außerdem, bei wessen Eltern der Minutenpreis von der Kreditkarte abgebucht werden wird. Autsch! Dann denkt man vielleicht noch an den armen "Juicer", der nachts im Dunkeln die für Stunts und Balz missbrauchten Gefährte in der Grünanlage ausfindig machen muss, um die Akkus bei sich zuhause an die Mehrfachsteckdose zu hängen. Und während man auf der Heimfahrt im Auto über Vor- und Nachteile des Jungseins sinniert, über Für und Wider der neuen Mikromobilität und im Sprengel angekommen verzweifelt nach einem Parkplatz Ausschau hält, huscht einem der Gedanke durch den Kopf: jetzt ein E-Scooter, das wär nicht übel.

© SZ vom 18.10.2019
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