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Münchner Momente:Verbrecher dringend gesucht

München macht einen weiteren Schritt zur Weltstadt. Ein Radiosender berichtet jetzt live aus der Luft - mit einem eigenen Helikopter. Doch die Nachrichten bleiben aus

Beinahe wäre es niemandem aufgefallen, aber München hat mit dem Jahreswechsel einen beträchtlichen Schritt hin zur Weltstadt gemacht. Der Radiosender Gong 96,3 hat nach eigenen Angaben einen Hubschrauber in Betrieb genommen. Der graue "Verkehrs-Heli" fliegt jetzt "über München und den Autobahnen und bringt die Infos aus der Luft direkt in euer Radio".

Das ist ein lange überfälliger Schritt. Für Fernsehsender in den Vereinigten Staaten etwa gehören Helikopter längst zum guten Ton. In Los Angeles zum Beispiel filmt ein Hubschrauber des Fox-Ablegers KTTV brennende Bäume, Löschflugzeuge, umgekippte Schulbusse und, klar, Verfolgungsjagden auf dem Highway. 2015 lief in LA unter anderem live im TV: Ein Mann flüchtet mit 100 Meilen pro Stunde über den Highway. Oder: Ein Bewaffneter flieht durch die Stadt, wird angeschossen und festgenommen.

Zugegeben: In München geht es vorerst nur um Radio, und worüber der Sender berichten will, klingt enttäuschend wenig nach Weltstadt. Keine Schießerei, keine Verfolgungsjagd, sondern: "Wie lange ist der Stau auf dem Mittleren Ring?", heißt es. Und wo gibt es Behinderungen wegen Schnee? Aber auch das gäbe eine spannende Live-Reportage her: Stau auf der Belgradstraße, jetzt fädelt er ein, jetzt wieder aus, was erlaubt sich dieser BMW? Da kommt ein weißer Fiat, brems doch, er bremst - oder? Doch, er bremst, gerade so! Gänsehaut.

Tatsächlich aber ist es gar nicht so einfach, den Helikopter in Aktion zu hören. In den Nachrichten kurz vor zwölf, vor eins, vor zwei: keine einzige Verkehrsmeldung. Um fünf vor drei endlich ein defektes Fahrzeug auf der A 8, aber kein Rotorengeräusch, nichts. Doch das soll niemanden entmutigen, die Nachrichtenlage wird sich zweifellos bald ändern. Und eine TV-Kamera ist dann auch rasch montiert, mit der man Kriminelle filmen kann, die in Schwabing Polizeiwägen rammen und sich Verfolgungsjagden über die A 99 liefern. Der Hubschrauber ist schon einmal da. Was München jetzt zur Weltstadt fehlt, sind nur noch die Verbrecher.