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Münchner Momente:Totfreundlich am Viktualienmarkt

In Berlin gibt ein Bestatter einer Familie Rabatt für die fünfte Beerdigung in diesem Jahr. Was würde passieren, wenn sich Münchner Dienstleister daran ein Beispiel nehmen würden?

Natürlich, Advent, Zeit der Ankunft, Zeit der Freude, Fest der Liebe. Aber niemand darf vergessen, dass der Tod keine Weihnachtsferien kennt, auch wenn die Kalenderdruckereien das Memento mori immer gut vier Wochen vorher terminieren, damit niemand durcheinander kommt: Während Christkind und Weihnachtsmann ja nur einen Tag im Jahr beschäftigt sind, wenn auch dann richtig stressig, hat der Boandlkramer das ganze Jahr zu tun, stille Nacht hin, Ihr Kinderlein kommet her.

Aus Berlin, wo ja sowieso die guten Sachen herkommen, (viele Münchner finden: Sie könnten genau so gut dort bleiben), aus Berlin also dringt nun eine Geschichte nach München, die auf bestechende Weise den Tod und die Weihnachtsfreude verbindet. Sie handelt von einer Familie, für die dieses Jahr wirklich ein Jahr der Trauer war; fünf ihrer Liebsten traten die letzte Reise an. Mit den dabei anfallenden Behörden,- Organisations- und Grabarbeiten beauftragte die Familie jeweils das gleiche Bestattungsunternehmen. Und als sie nun zum fünften Mal da anriefen, um schon wieder eine Beerdigung in Auftrag zu geben, da erklärte der Berliner Bestatter: Weil sie so gute Kunden seien, werde er nun für diesen Todesfall eine Preisermäßigung von zehn Prozent gewähren.

Stammkunden-Rabatt beim Bestattungsunternehmen! Damit durfte ja nun wirklich niemand rechnen, die Überraschung wird wohl umso größer gewesen sein. Ob sich nicht andere Branchen daran ein Beispiel nehmen könnten, die sich um eher unangenehme Dienstleistungen kümmern oder per Tarifvertrag angehalten sind, ja nicht zu freundlich zur Kundschaft zu sein? Man stelle sich nur vor: ein netter Parküberwacher. Ein freundlicher Fahrkartenkontrolleur. Wenn aber erst einmal die Standlfrauen am Viktualienmarkt anfangen, ihre Kunden so zu behandeln, als würden sie Geld bringen - dann könnte es schon sein, dass einer vor lauter Verblüffung selbst zum Fall für den Bestatter wird.

© SZ vom 16.12.2019
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