Münchner Momente:"Sind Sie  jetzt durchgedreht?"

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Politiker wollen auch mal lachen. Doch dass dieser Änderungs­antrag von FDP und Bayernpartei im Stadtrat für Erheiterung sorgte, war keine Absicht

Glosse von Anna Hoben

Es gibt eine Gruppe, deren Interessen in dieser Pandemie bislang vollkommen übersehen wurden, deren Interessen generell viel zu oft übersehen werden: die Immobilieneigentümer. So ähnlich müssen FDP und Bayernpartei sich das gedacht haben, als sie in der jüngsten Vollversammlung des Stadtrats Anfang März einen Änderungsantrag stellten, der hinter vielen Masken ein nahezu befreiendes Lachen auslöste, das im Tagungsraum viral ging, wenn man das in diesen Zeiten so sagen darf.

Der Nachmittag ging schon in den Abend über, als der Tagesordnungspunkt B7 aufgerufen wurde: "Änderung der Satzung über den Mieterbeirat der Landeshauptstadt München". Die Bürgerinitiative Ausspekuliert, die sich in den vergangenen Jahren gegen steigende Mieten und Bodenpreise engagiert hat, soll als beratendes Mitglied in den städtischen Mieterbeirat aufgenommen werden. Der vertritt - genau, die Interessen von Mietern. Er frage sich, wer als nächstes aufgenommen werden solle, sagte der Fraktionsvorsitzende von FDP und Bayernpartei, Jörg Hoffmann: die marxistisch-leninistische Partei vielleicht oder der Botschafter von Kuba? Nein, man habe da eine bessere Idee: der Haus- und Grundbesitzerverein. Man beantrage also, im Mieterbeirat auch mal auf jene zu hören, "die dafür sorgen, dass die Mieter ein Dach über dem Kopf haben".

Grünen-Stadtrat Bernd Schreyer reagierte fassungslos, Stefan Jagel zeigte sich verwundert - eigentlich sei Satire doch die Aufgabe der "Partei", mit der zusammen die Linke eine Fraktion bilde: "Sind Sie jetzt durchgedreht, Herr Kollege?" Ob der Antrag wirklich ernst gemeint sei, wollte OB Dieter Reiter vor der Abstimmung sicherheitshalber noch einmal wissen. Der Vollständigkeit halber: ja, war er, fand aber - außerhalb von FDP und Bayernpartei - keine Stimmen.

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