bedeckt München 16°
vgwortpixel

Münchner Momente:Schweinchen-Dieb im Hofgarten

Ungemach bei Sport und Spiel droht tatsächlich immer, überall und jedem. Selbst die gemächlichsten Akteure sind davor auch an den beschaulichsten Orten nicht sicher

Der Wahlkampf geht in die heiße Phase, die Kandidaten für das Amt des Oberbürgermeisters geraten immer häufiger ins Schwitzen - auch, weil sie sich auf ihren Werbetouren so sportlich geben. Kristina Frank (CSU/Jahrgang 1981) hat sich aus Italien ja extra einen Fahrrad-Viersitzer mit Elektroantrieb kommen lassen, um ihren Slogan ("Frank tritt an") den Menschen vor Augen zu führen. Katrin Habenschaden (Die Grünen/Jahrgang 1977) meldete sich jüngst aus dem Boulderzentrum in der Thalkirchner Straße zu Wort, mit einem "ganz klaren Call To Action"; ihre Follower sollten sich für einen neuen Kletterkomplex einsetzen. Dieter Reiter (SPD/Jahrgang 1958) setzte auch auf sportliche Action, allerdings in der ruhigeren Variante: Am Tag der Deutschen Einheit spielte er am Bordeauxplatz Boule.

Alle Aktionen der drei verliefen bislang ohne Zwischenfälle, was eine Erwähnung verdient, weil das keineswegs selbstverständlich ist. Denn auf sportlichem Terrain lauern auf Politiker, die sich dorthin wagen, mindestens so viele Gefahren wie das alltägliche Leben für Profisportler bereithält. Beim letzten Kommunalwahlkampf verlor CSU-OB-Kandidat Josef Schmid beim Seifenkistenrennen am Gebsattelberg den rechten Hinterreifen, woraufhin er aus dem Gefährt geschleudert wurde. Im Unfallbericht sind "schmerzhafte Schürfwunden an Unterarm und Schulter" notiert - und ein zerrissenes Trachtenhemd. Kann passieren. Wie es einem Profifußballer passieren kann, dass er von einer Stewardess das Knie mit einem Getränkewagen kaputtgerammt bekommt; Jérôme Boateng ist das einst so ergangen.

Ungemach bei Sport und Spiel droht tatsächlich immer, überall und jedem. Selbst die gemächlichsten Akteure sind davor auch an den beschaulichsten Orten nicht sicher, wie dieser Tage zwei junge Boulespieler im Hofgarten erfahren mussten. Zum Start ihres Spiels brachten sie mit schwungvollem Wurf das "Schweinchen" aus, die kleine Kugel, die als Ziel dient, und die so heißt, weil die Kugeln früher aus Schweineknochen geschnitzt wurden. Daraufhin griff ein Überraschungsgast ein: ein mächtiger Rabe. Interessiert flatterte er herbei, neugierig pickte er nach dem Schweinchen - und als ihm offenbar gefiel, was er da gefunden hatte, packte er es in seinen Schnabel und flatterte davon. Zunächst in einen nahen Baum, dann in einen etwas entfernteren. Nach anfänglichem Gelächter starteten die zwei Boulespieler eine Jagd, die trotz vollem Einsatz jedoch erfolglos blieb. Der schwarze Dieb entkam. In Richtung Staatskanzlei.

© SZ vom 11.11.2019
Zur SZ-Startseite