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Münchner Momente:Schlammschlacht um die Spielplätze

Die Grünen möchten gerne, dass Münchens Spielplätze "naturnah zum Fühlen, Riechen, Beobachten und Matschen gestaltet" werden. Im Grunde teilen viele dieses Ansinnen. Seine Umsetzung gestaltet sich dennoch aberwitzig bürokratisch

Von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt ist in der Verwaltung dieser schönen Stadt seit Monaten eine Schlammschlacht im Gange, die diesen Namen wirklich verdient. Im Juli hatten Abgeordnete der Grünen im Stadtrat einen Antrag gestellt, die Landeshauptstadt möge künftig bei Neubau und Umgestaltung öffentlicher Spielplätze auf "naturnahe Gestaltung" achten. "Statt vieler Spielgeräte werden die Spielbereiche ganz als Naturspielplatz oder einzelne größere Bereiche naturnah zum Fühlen, Riechen, Beobachten und Matschen gestaltet."

Ein gutes Ansinnen! Doch kann der Stadtrat diesem Wunsch leider nicht entsprechen, so ist nun nach nur vier Monaten Fühlen, Riechen und Beobachten aus dem Rathaus zu erfahren. Nicht etwa, weil im Stadtrat mehrheitlich Fans von klinisch reinen Edelstahlkarussellen, Plastikrutschen und Kunststoffklettertürmen sitzen, die auch in ihrer freien Zeit Anzug tragen und sich den Stoff nicht fleckig machen mögen, wenn sie den Nachwuchs zum Auslauf ins öffentliche Spielgehege begleiten. Nein, ganz im Gegenteil, die Landeshauptstadt wird von bekennenden Naturfreunden und Sauigeln geführt.

Dass sie dem Begehr ihrer Kolleginnen und Kollegen von den Grünen nicht stattgeben können, hat allein formale Gründe. Denn der Antrag betrifft eine laufende Angelegenheit, deren Erledigung laut Geschäftsordnung dem Oberbürgermeister obliegt, so heißt es in der Antwort des Baureferats. "Eine beschlussmäßige Behandlung der Angelegenheit im Stadtrat ist daher rechtlich nicht möglich." Fühlen, Riechen, Beobachten und Matschen ist in München Chefsache.

Das heißt nicht, dass Dieter Reiter mit dieser verantwortungsvollen Aufgabe ganz allein gelassen wird. Die öffentlichen Kinderspielplätze würden "grundsätzlich unter Beteiligung der Kinder und Jugendlichen" gestaltet, erklärt das Baureferat. Und der jeweils zuständige Bezirksausschuss hat auch noch ein Wörtchen mitzureden. Zwischenzeitlich hat sich auch die Gleichstellungsstelle für Frauen eingeschaltet und die Antwort des Baureferats um den Hinweis ergänzt, dass bei der Planung der Spielplätze auch die "Handlungs- und Planungsempfehlungen zu gendergerechter Spielraumgestaltung Anwendung" finden. Ob das im Zweifel mehr oder weniger Matsch bedeutet, konnte bis Redaktionsschluss nicht in Erfahrung gebracht werden.

© SZ vom 06.11.2019
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