Münchner Momente Jetzt wird's ungemütlich

Biergarten-Stress, Radfahren und Gartenarbeit: Warum der Frühling die fürchterlichste Jahreszeit ist

Kolumne Von Stephan Handel

Ja, ja, der Frühling kommt, und die Sonne, und das blaue Band und der ganze Mörike-Mist, von Veronika, der Spargel wächst ganz zu schweigen. Die Euphorie über den Jahreslauf kann bei näherer Betrachtung nur jene befallen, die sich noch nie genauere Gedanken gemacht haben. Sie wären nämlich sonst zu dem Schluss gekommen: Der Winter ist die gemütlichste Jahreszeit, und der Frühling die fürchterlichste.

Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt jagt man keinen Hund vor die Tür und sonst auch niemanden. Kaum aber blüht das Schneeglöckchen, beginnen die Pflichten: Das Rad muss zum Frühjahrs-Check gebracht werden, denn vorbei ist die Zeit, in der man bequem mit der Tram zur Arbeit kutschiert wurde, jetzt wird wieder selber gestrampelt. Autowaschen? Lohnt sich nicht, wenn's sowieso dauernd regnet. Aber bald sprenkeln wieder gelbe Pollen über den Lack, wie sieht denn das aus, ab in die Waschstraße. Im Garten müssen Blumen gepflanzt, Zwiebeln gesetzt, Beete umgegraben werden, das Gras auf sozialverträglicher Länge zu halten, wird nun stetige Pflicht, gleichzeitig aber muss es ständig gegossen werden, damit's ja fleißig wächst. Spätestens Ende April antwortet der Mann auf die Aufforderung der Frau, den Rasen zu sprengen, mit kaum verhohlenem Sarkasmus: Gerne, Schatz, wo hast du das TNT hingelegt? Der Frühling ist auch die Zeit für Renovierungsarbeiten, wer das nicht gewohnt ist, kann sich dabei schwerwiegende Verletzungen zuziehen, was aber weder als Einwand noch als Entschuldigung gelten darf.

Wenns noch wärmer wird, kann man sein Bier nicht mehr gemütlich beim Wirt um die Ecke oder zu Hause trinken, sondern muss sich in Biergärten am verschwitztem Rücken des Hintermanns reiben. Der hat dann meistens noch Sandalen ohne Socken an, während die Frauen ihre in Flip-Flops stecken, das alleine schon eine Überschreitung sämtlicher Zumutbarkeiten. Zu allem Überfluss gibt es außerdem noch ein Naturgesetz, dessen Herkunft noch niemand untersucht hat, aber es stimmt: Kaum scheint die Sonne, werden die Fenster dreckig.