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Münchner Momente:Einfach tierisch

Die neue Kampagne der Münchner Verkehrsgesellschaft wirbt für den Klimaschutz - mit ungewöhnlicher Hilfe

Tiere ziehen immer. Das braucht man der Münchner Verkehrsgesellschaft nicht lange zu erklären. Ihr Sammeltaxi nennt sie Isartiger, für die Nachtlinien wirbt eine Eule. Und schon Jahre bevor süße Katzenbabys begonnen haben, auf Instagram und Youtube Hunderte Millionen Tierfreunde verrückt zu machen, druckte die MVG einen Dackel auf ihre Stadtpläne und auf Plakate, um diese zu bewerben. Da erfuhr der Fahrgast dann zum Beispiel, dass mit dem Stadtplan Wastl immer sicher nach Hause finde und dass jeder Wastl in jeder Straße Münchens zu finden sei. Was das zu bedeuten hatte, wusste zwar keiner so genau, aber während des Oktoberfests soll der Wastl-Plan immer recht beliebt gewesen sein - Besoffene finden bekanntlich alles lustig.

Ihren tierischen Humor haben die Werber der MVG längst noch nicht ausgeschöpft. Seit Montag läuft nun eine neue Kampagne für den Klimaschutz, als Blickfang halten wieder Viecher her - ein Gorilla, eine Biene, eine Schildkröte und ein Faultier. "Affenstark, dass du öffentlich fährst", duzt einen der Gorilla von der Seite an. "Königlich" findet's die Biene, "weise" die Schildkröte und "beruhigend" das Faultier. Alles Eigenschaften, die man spontan mit diesen Tieren verbindet, die rätselhaften Dackel-Zeiten sind vorbei. Und wer mal wieder geduldig wie ein Esel an der Haltestelle auf seinen Bus wartet, denkt beim Hinweis "Jeder Fahrgast der MVG ist ein Klimaschützer" daran, dass zwar gerade mal wieder der Bus, aber vielleicht sonst nicht gleich alles zu spät ist.

Freilich soll es auch noch andere Plakatideen gegeben haben. Unter der Hand heißt es, dass auch "cool, dass du öffentlich fährst", "scharf, dass . . ." und "nett, dass. . ." diskutiert worden seien. Aber eine Sau und eine Ratte wollten sie nicht auf dem Plakat haben. Und für "nett" wollte den Werbern kein Tier einfallen.

Lange im Rennen war auch der Vorschlag einer Instagram-affinen Online-Praktikantin von mvg.de, auch ein mit einem Wollknäuel spielendes Katzenbaby zu zeigen, mit dem Spruch "Süß, dass du öffentlich fährst". Dies scheiterte allerdings am Betriebsrat des wahrscheinlich tierfreundlichsten Verkehrsunternehmens der Welt. Das Risiko, täglich von Millionen durchgeknallten Katzenvideofans überrannt zu werden, wollte man den Fahrern - Klimaschutz hin oder her - keinesfalls zumuten.

© SZ vom 25.10.2019
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