Münchner Momente:Eine Löwin für Hongkong

Ein Baby nach einem Ort zu nennen, erfreut sich großer Beliebtheit - zumindest in der Promiwelt: "Bronx", "Brooklyn" , "Ava Berlin". Aber seine Tochter nach einem Münchner Stadtviertel zu benennen, ist bis vor niemanden in den Sinn gekommen

Kolumne Von Tobias Mayr

Menschen wollen kreativ sein. Im Beruf. Am Wochenende. Gerne auch bei der Namensfindung für ihr Baby. Unlängst wurde zum Beispiel bekannt, dass ein Düsseldorfer Elternpaar ihre Tochter Confetti genannt hatte. Auch Stadtviertelnamen erfreuen sich großer Beliebtheit, zumindest in der Promiwelt. So heißt Ashlee Simpsons Spross "Bronx" oder Victoria Beckhams Kleiner "Brooklyn" - das klingt irgendwie kosmopolitisch oder kann eventuell etwas über einen möglichen Zeugungsort verraten. Die Tochter von Jeremy Renner heißt Ava Berlin, hat auch was Großstädtisches.

Aber seine Tochter nach einem Münchner Stadtviertel zu benennen, ist bis vor kurzem niemanden in den Sinn gekommen, nicht mal einem Lokalpatrioten. Dafür ist Kreatives aus Hongkong zu vernehmen: Dort ist Ende vergangenen Jahres eine kleine "Giesing" zur Welt gekommen. Es ist weder etwas bekannt über eine Urlaubsreise, noch über eine heiße Liebesnacht im Motel One an der Tegernseer Landstraße. Doch der Vater, ein gebürtiger Hongkonger, ist Löwenfan aus Leidenschaft. Sein Herz schlägt so stark für den TSV 1860 München, dass er seine Tochter kurzerhand nach dem Viertel benannte, in dem der Verein trainiert.

Für die Eltern kam der Abstieg der Löwen in die Regionalliga und die damit verbundene Rückkehr von der Allianz Arena in das Grünwalder Stadion gerade rechtzeitig. Denn "Fröttmaning" wäre doch kein schöner Mädchenname, und "Freimann" höchstens noch für einen Jungen denkbar. Für die zukünftigen Hongkonger Mitschüler wäre das aber ein unzumutbarer Zungenbrecher. Giesing dagegen klingt - wenn man es richtig betont - gar nicht mal so bairisch: "Gie-Sing". Wenn der Name in Hongkong ankommt, könnte die Familie ja darüber nachdenken, auch zukünftige Kinder nach Münchner Stadtvierteln benennen. Die kleinen Le-Hel, Sen-Dling und Men-Zing würden doch gut in die Familie passen.

© SZ vom 15.01.2018
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