Münchner Momente:Ein Kommen und Gehen

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Derzeit gibt es zwei Sorten von Großstädtern. Die einen waren schon in Urlaub. Die anderen haben's besser

Von Christiane Lutz

Derzeit teilt sich die Münchner Bevölkerung in zwei Gruppen. Nein, nicht in Pokémon-Go-Spieler und Pokémon-Go-Gegner (wobei das tatsächlich einmal einer gesonderten Betrachtung wert wäre, angesichts der Massen, die Tag und Nacht am Bordeauxplatz unter Regenschirmen kauern und kleine Tierchen mit ihren Handys jagen.) Die Rede ist von den zwei Gruppen der Prä- und der Post-Urlauber.

Den Post-Urlauber erkennt man am lustlosen Gang und allgemeiner Schlaffheit. Resignation scheint unter seiner Urlaubsbräune hervor, wenn er zur Klage anhebt: Vom Rad gefallen auf Usedom. Schreckliche Staus schon bei Garmisch. Zu viele Teenager an der Costa Brava. Miefiges Hotelzimmer auf Chalkidiki - und überhaupt ist Griechenland neuerdings total überlaufen, weil wohl alle meinen, ein bisschen Geld da runter tragen zu müssen, um die Wirtschaft anzukurbeln. Nicht mal auf Island hat man mehr seine Ruhe, seit durch die Fußball-EM auch der letzte Natur-Banause begriffen hat, dass Geysire und Polarlichter total superduper sind. Nein, also so richtig erholt sei der Mensch ja erst nach drei Wochen, und dafür war's dann doch zu kurz. Sommerfrische? Geh weiter.

Der Prä-Urlauber lässt einen mitfühlenden Spruch los, wie: "Niemand ist so urlaubsreif wie jemand, der gerade Urlaub hatte, gell?", schimpft auf Nachfrage ein bisschen was von "keiner da gewesen" und "alles allein machen müssen". Dann erinnert er sich daran, wie er vergangenes Wochenende durch die wunderbar leere Stadt geschlendert ist, im Strandbad Feldafing eine ganze Wiese für sich allein hatte und ohne Reservierung im Preysinggarten zu Abend essen konnte. Er behält für sich, dass der August der schönste Monat in München ist. Und bucht seinen Flug in den Süden für September.

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