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Münchner Momente:Die zweiteitelste Stadt der Republik

In einem neuen Ranking muss sich München ausgerechnet gegenüber Stuttgart geschlagen geben. Das kann verschiedene Gründe haben

München ist eine Stadt, die sich nur allzu gerne mit Superlativen schmückt. Die teuerste des Landes ist sie ohnehin, regelmäßig lässt sie sich auch zur lebenswertesten küren. Die bestaussehendsten Bewohner leben hier, wobei es sein kann, dass Hamburger das gleiche für ihre Stadt annehmen. Umso erstaunlicher ist es, dass es München in einem aktuellen Ranking nur auf Platz Zwei schafft: Es soll nach einer Erhebung von SumUp, einer Finanztechnologiefirma für bargeldloses Zahlen, die nur zweiteitelste Stadt der Republik sein, gleich hinter Stuttgart. Den Stuttgartern ist eine Kosmetikbehandlung im Schnitt 101 Euro wert, während die Münchner dafür durchschnittlich 95 Euro ausgeben.

Natürlich ist ein solches Ranking bedingt aussagefähig. Es ist zum Beispiel davon auszugehen, dass ein Nagelstudiobesuch in München mehr kostet als etwa in Berlin. Aber dass ausgerechnet Stuttgart, die Stadt der sparsamen Schwaben, München den Rang abläuft? Es mag daran liegen, dass bei den stetig steigenden Mieten der oder die ein oder andere sich nicht mehr ganz so häufig Gesichtsmasken im Studio auflegen lässt und sich die Fingernägel selbst lackiert. Was nützen schließlich die glatteste Haut und die glänzendsten Haare, wenn kein Geld da ist, um sie auszuführen?

Der beliebteste Monat für Beauty-Behandlungen ist laut Ranking übrigens der September. Mit Auffrischung der Urlaubsbräune erklären sich das die Initiatoren der Erhebung. In München muss nicht lange gerätselt werden, warum gerade der September beliebt ist: Die Wiesnfrisur muss sitzen, der Lack zum Dirndl passen. Denn vor dem Von-der-Bierbank-stolpern kommt unweigerlich das Sehen-und-Gesehen-werden auf der Bierbank. Im Geheimen ist der Münchner vielleicht einfach davon überzeugt, Teil der hübschesten Bevölkerung des Landes zu sein. Das macht den Münchner nicht weniger eitel, aber die Kosmetikbehandlung selbstredend weniger dringend. Bis zum nächsten Oktoberfest zumindest.

© SZ vom 10.01.2020
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