Münchner Momente:Der Sound der Stadt

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In München ändert sich einiges, und das lässt sich nicht nur sehen, sondern auch hören. An der Ampel etwa sorgen künftig namhafte Komponisten für die Geräuschkulisse

Von René Hofmann

Das wird ein Spaß! Leslie Mandoki gegen Hans Zimmer, von Ampel zu Ampel. Mandoki, 68,der schon mit den No Angels, Jennifer Rush, Lionel Richie und dem Rapper Sido arbeitete, hat den Sound des neuen, rein elektrisch betriebenen VW ID.4 kreiert. Hans Zimmer, 63, der die Filmmusik für Rain Man schuf und für seine Komposition für den König der Löwen einen Oscar gewann, hat ausgetüftelt, welche Fahrgeräusche der vollelektrische BMW i4 von sich geben wird und hilft den Bayerischen Motorenwerken generell, einen Klang für die anbrechende E-Epoche zu finden. Gestoßen ist er dabei auf "eine auffallend transparente Klangfarbe mit sphärischen Komponenten", so beschreibt es das Münchner Unternehmen. Auch Mandoki hat eifrig geforscht. Auf der Suche nach den richtigen Tönen für die neue Zeit ist er, so erzählt er es selbst, mit seinem Kanu vor Sonnenaufgang auf den Starnberger See hinausgepaddelt und hat gelauscht, wie die Natur den Tag begrüßt. Was er hörte, floss in die Beschleunigungsgeräusche der künftigen Volkswagen ein. Zirp, Zirp statt Brumm, Brumm.

In der Stadt ändert sich gerade so einiges. Pop-up-Radwege ploppen auf, erst in Gelb, jetzt in Weiß. Statt Parkplätzen gibt es nun Schanigärten. Doch die Veränderungen sind nicht nur zu sehen. Neues bringt oft auch neue Geräusche. Die Isarufer beispielsweise waren immer zugleich Bewegungsraum und Klangwelt. Einst schleppten sich dort schwitzend und schnaufend die Jogger entlang. Dann klackerten die Nordic-Walker-Geschwader umher. Heute schnauft dort kaum mehr einer und es klackert nur noch zart. Aber es surrt viel. E-Scooter, E-Bikes: Das Raunen der Elektroantriebe hat das Rasseln der Ketten abgelöst, nicht nur auf den Radwegen.

"Mind the gap between the train and the platform": Seit 1969 ertönt dieser Warnhinweis in der Londoner U-Bahn. Manche Städte haben so etwas, eine einzige unverwechselbare Lautfolge. München hat das nicht. Das Glockenspiel am Rathaus? Zu viel Glockenspiel. Das Wummern des Oktoberfestes? Immer nur ein kurzer Spaß. Diese Stadt klingt so, wie sie ist: Vielerorts heiter, mancherorts gar ausgelassen und dort, wo viele strebend sich fortbewegen, vor allem laut. Zumindest noch. Denn das ist das Schöne an der neuen Zeit, für die die beiden älteren Männer gerade neue Klänge erfinden: Eines wird sie definitiv werden - leiser.

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