Münchner Momente Der Gasteig summmmt

Der Umbau des Kulturzentrums ist nach dem erfolgreichen Volksbegehren endgültig vom Tisch - sieben Bienenvölker leben auf dem Dach

Glosse Von Wolfgang Görl

Das derzeit unterhaltsamste Bauprojekt Münchens ist zweifellos die Sanierung des Gasteigs, bei der es wie in der tollen TV-Soap "Sturm der Liebe" unentwegt neue Verwicklungen gibt, so dass jegliche Hoffnung auf ein glückliches Ende längst geschwunden ist. Bereits vor drei Jahren haben sich die Beteiligten in abhörsicheren Hinterzimmern geeinigt, nur noch so zu tun, als würden sie an der Sanierung arbeiten; tatsächlich aber ist jedem klar, dass am Gasteig erst gebaut wird, wenn der Berliner Flughafen fertig ist - also nie. Das Einzige, womit sich der Aufsichtsrat noch beschäftigt, ist, einen Arbeitskreis zu konstituieren, der seinerseits ein Gutachtergremium zusammenstellen soll, das einen Schuldigen für das Scheitern bestimmt. Abgelehnt wurde der Antrag der Grünen, aus Gründen der Gendergerechtigkeit zwei Sündenböcke zu bestimmen, einen männlichen und einen weiblichen.

So lustig hätte es noch 200 Jahre weitergehen können, jetzt aber haben sich die Ereignisse dermaßen überschlagen, dass das Aus für die Gasteig-Sanierung nicht mehr zu verheimlichen ist. Kostenexplosion, Verfahrensfehler, Probleme bei den Urheberrechten, all dies war schon schlimm genug. Der entscheidende Schlag aber kommt von den Bienen. Die sympathischen Insekten haben soeben per Volksbegehren den ersten Schritt zu einem besseren Leben geschafft, und das gilt natürlich auch für die 420 000 Bienen, die in sieben Völkern auf dem begrünten Dach des Gasteigs wohnen. Deren Lebensraum darf auf keinen Fall angetastet werden. Unter dem Label "München summmmt" liefern die Gasteig-Bienen den begehrten "Kultur-Honig", der sogar für den menschlichen Verzehr geeignet ist, anders als der Landhonig, der wegen seines hohen Pestizidanteils nur zur Jagd auf Fliegen und Mücken taugt.

"Es ist verboten, Dauergrünland umzuwandeln", steht im Gesetzentwurf des Volksbegehrens, und es bedarf keiner Schwarmintelligenz, um zu ahnen, dass die Verfasser dabei die von moderner Landwirtschaft unbelasteten Wiesen auf dem Gasteig im Blick hatten. Das heißt aber auch, dass den Kulturzentrumsbienen, die übrigens Beethovens Fünfte sowie Rimski-Korsakows "Hummelflug" auswendig summen können, kein Stachel gekrümmt werden darf. Die Sanierung kann man vergessen, aber als weltgrößter Bienenstock könnte der Verdrussbau doch noch eine Zukunft haben.