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Münchner Momente:Der Feind der Klimmzughelden

In Untergiesing gibt es einen Ort, wo das Testosteronlevel hoch und die T-Shirt-Dichte niedrig ist. Nur eines können die Muskelprotze nicht ausstehen

Gäbe es ein Olympia der Städte, wo läge wohl München im Medaillenspiegel? Weit vorn natürlich! Mindestens mit großem Abstand vor der deutschen Konkurrenz, so viel steht fest, aber ganz gewiss hinter Los Angeles. Die Stadt der Fitness-Engel, der Surfer, Promenadenskater und Muckibuden-Pilger. Der Highway bringt die Großstädter mehrspurig direkt dorthin, wo es freizeitsportlich ans Eingemachte geht: Nach Venice, zum Muscle-Beach, wo spärlich verhüllte Herkulesse und urbane Xenas in der prallen Sonne Eisen biegen, in der Hoffnung, irgendwann so auszusehen wie Arnold Schwarzenegger.

In München sind die Maßstäbe andere, das ist klar. Doch einige Parallelen sind schwer von der Hand zu weisen. Was für Los Angeles die Interstate 10 ist, das ist in München der Mittlere Ring. Und unweit der Stelle, wo er an der Müllverbrennungsanlage vorbei über die Kiesbänke des Isarstrandes führt, da hat auch München seinen Muskel-Strand: "Isarauen, nördlich Candidstraße, am Entenweiher" - so firmiert, ziemlich desavouierend, der unter "Spielplatz" geführte Trimm-Dich-Parcours in Untergiesing in der Liste städtischer Freizeitanlagen. Ein Treffpunk unter freiem Himmel für Männer mit Bäuchen wie Waschbretter und Rücken wie ein Landschaftsgemälde.

Ein Ort, an dem das Testosteronlevel hoch, die T-Shirt-Dichte dafür umso geringer ist. An den sonnigen Tagen dieses Sommers war dort kaum jemand anzutreffen, der nicht mindestens 50 einarmige Liegestütze am Stück zu schaffen vermag. Nicht ohne Grund verbieten so gut wie alle seriösen Fitnessstudios ihren Mitgliedern das Training ohne Oberteil. Das nämlich schreckt viele, die einfach nur in Ruhe etwas für ihren Körper tun wollen, ab. Auf dem Trimm-Platz in Untergiesing indes fallen selbst dann die Hüllen, wenn es auch die Temperaturen tun.

Nur eines, das mögen die Münchner Klimmzughelden offenbar überhaupt nicht: Regen. Kaum beginnt es zu nieseln, wirkt die Wiese unter den großen Birken wie leergefegt. Wer also in Ruhe in den Isarauen trainieren möchte, ohne sich von profilneurotischem Muskelgeprotze abgelenkt zu fühlen, der kann der jüngsten Delle dieses noch jungen Sommers freilich Gutes abgewinnen.