Münchner LiteraturstipendienFörderung für elf Buchprojekte

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Für ihr Projekt „The Flamekeepers“ ausgezeichnet: Lilian Robl, hier vor vier Jahren im Garten der Monacensia.
Für ihr Projekt „The Flamekeepers“ ausgezeichnet: Lilian Robl, hier vor vier Jahren im Garten der Monacensia. (Foto: Robert Haas)

Die Stadt München vergibt zehn Stipendien für vielversprechende Schreibprojekte, dazu den Leonhard- und Ida-Wolf-Gedächtnispreis.

Von Antje Weber, München

Wenn es Herbst wird, ist vieles orange: „in hiesigen breitengraden / fangen plötzlich alle wörter mit kürbis an / wenn man die speisekarte betrachtet“. Die dies mit einigem Verwundern notiert, ist Volha Hapeyeva. Nicht alle Verse der in Belarus geborenen und in München lebenden Schriftstellerin und Linguistin klingen so amüsiert. Sie weiß nur zu gut, wie sich das Wort Exil abseits von Speisekarten buchstabieren lässt; es funkelt nicht orange, sondern wirkt ziemlich düster.

Nun jedoch hat Hapeyeva wie zehn weitere Autorinnen und Autoren guten Grund zur Fröhlichkeit: Zehn Schreibprojekte in den verschiedensten Genres unterstützt die Stadt München mit Literaturstipendien à 8000 Euro, so hat es der Kulturausschuss auf Empfehlung einer Jury beschlossen, dazu kommt der mit 3000 Euro dotierte Leonhard- und Ida-Wolf-Gedächtnispreis für einen Nachwuchsautor unter 30.

Neben Volha Hapeyeva, die ihr Lyrikprojekt „Elilenti“ eingereicht hatte, wird auch Theresa Seraphin für Lyrik ausgezeichnet: Ihr Gedichtzyklus „SCHMRZ SHW“ erzählt von den Folgen sexualisierter Gewalt im Kindes- und Jugendalter. Louise Kenns Debütroman „Die Dateien“ wiederum handelt von einer jungen Malerin, die während eines Dürresommers Panikattacken wegen Klimaangst erleidet.

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Auch Kerstin Pistorius arbeitet an einem Romanprojekt; in „Geister“ schildert sie die Verunsicherung einer Biologin angesichts einer verdrängten Familiengeschichte. Lilian Robl setzt sich dagegen in „The Flamekeepers“ anhand der Biografien von Ingeborg Bachmann, Emma Hauck und Rabe Perplexum mit weiblicher und queerer Autorschaft auseinander. Um Frauenbiografien und -Freundschaften geht es auch Ulrike Steinke: Sie arbeitet an der Graphic Novel „Schwesternschaft“.

Zwei Übersetzungen sind unter den geförderten Projekten: Christiane Burkhardt hat Tiemen Hiemstras Roman „W.“ aus dem Niederländischen übertragen, Katharina Martl erstmals Ingeborg Arvolas Roman „Vestersand“ aus dem Norwegischen übersetzt. Für ihr Kinderbuchprojekt „Rosalinde Rocket“ wird Alexandra Gutzke unterstützt, Gregor Locher für seinen Coming-of-Age-Roman „Hier unten leuchte ich“. Der Leonhard und Ida Wolf-Preisträger Jonas Hirner schließlich lässt sein Theaterstück „Nachts an der Landstraße“ an einem Autobahnrastplatz spielen – ein Ort der Trostlosigkeit, den wohl nur Sprache zum Funkeln bringen kann.

Verleihung der Literaturstipendien und Lesung, Mittwoch, 10. Dezember, 19 Uhr, Literaturhaus München.

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