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Münchner Klischees:Veronika, der Stenz ist da

Erholung am Eisbach im Englischen Garten in München, 2014

Immer gut für einen Flirt: der Englische Garten.

(Foto: Florian Peljak)

Mit dem Frühling kommen die Hormone, in München ganz besonders. Sind hier nicht alle ein bisschen Monaco Franze? Oder wären sie es nur gerne?

Jetzt müsste er doch wieder unterwegs sein. Die Münchner Cafés stellen ihre Stühle raus, und dort sitzt er dann und ist sich gewiss, dass bestimmt eine Gelegenheit kommt. Zwar fragen sich im Frühling auch Männer aus Berlin, Dresden oder Dortmund, ob bei der Dame da drüben was gehen könnte. Doch der Münchner Mann gibt sich die Antwort selbst: Ja, natürlich. Ein bisschen was geht immer.

Helmut Dietl hat Anfang der 1980er mit dem "Monaco Franze" die Vorlage für den modernen Stenz geliefert. "Immer lässig und von etwas windiger Eleganz" hat Dietl seine Serienfigur charakterisiert, die für die Ewigkeit an Schauspieler Helmut Fischer kleben blieb. Ein Lebemann, der sich für Menschen interessiert, unter denen natürlich auch Frauen sind. Eigentlich überwiegend Frauen.

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Er ist der ewige Stenz, der Herr der sieben Meere, der Schrecken von Schwabing und auf gar keinen Fall ein ernsthafter älterer Herr: Monaco Franze. Zeigen Sie, wie viel Stenz in Ihnen steckt!

Dietl siedelte seinen Stenz in München an, an Orten wie dem Parkcafé, dem Schumann's oder der Goldenen Bar - zumindest wären das wohl heute die Kulissen. Dietl traf einen Nerv, die Serie wird im Fernsehen wieder und wieder gesendet. Nur, woher nahm er die Vorlage für seinen Stenz?

In Bayern gibt es ihn seit jeher, auch wenn er nicht immer so genannt wurde. "Er hat Beine wie Säulen und Arme wie Dreschflegel", so beschreibt Heimatromancier Ludwig Ganghofer 1880 den Stenz. Ein einfacher Naturbursche, von der Evolutionsstufe eines Monaco Franze noch weit entfernt. Jahrhundertelang wurden die Legenden vom Stenz befeuert - vor allem von Männern, die oft selbst Stenze waren, wie Autor Thomas Grasberger im Buch "Stenz - Die Lust des Südens" andeutet.

Was die Entwicklung des Stenzentums begünstigte, das kann niemand so genau sagen. War es das voralpenländische Klima? Eine große Rolle spielten sicher die katholische Kirche und das Geld. Die Sexualmoral war rigide, im Bußgeldkatalog "Lex Baiuwariorum" standen auf Beischlaf ohne Heiratsabsichten zwölf Schilling Strafe. Heiraten durfte aber nur, wer ein bestimmtes Vermögen hatte - die Obrigkeit war da bis 1918 sehr wachsam.

Das musste ja nach hinten losgehen: Die Bayern trieben es umso bunter. Im "Bayerischen Dekameron" von Oskar Maria Graf etwa wird dem Fensterln gefrönt. Es ist nicht überliefert, wie viele Männer beim heimlichen Einstieg durch das Schlafzimmerfenster der Angebeteten von der Leiter stürzten. Sicher ist aber, dass für Frauen die Liaison mit einem Stenz lange Zeit böse endete.