Sparen im Münchner KulturbetriebDen Kammerspielen droht erstmals ein Defizit

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Sparen, aber künstlerisch nicht abbauen: Die Kammerspiele stehen vor großen Herausforderungen.
Sparen, aber künstlerisch nicht abbauen: Die Kammerspiele stehen vor großen Herausforderungen. (Foto: Sven Hoppe)

Das Geld für die Münchner Kammerspiele wird knapp. Die Rücklagen sind aufgebraucht, ein bleibendes Minus ist zu befürchten. Doch wie damit umzugehen ist, zeichnet sich nicht ab. Im Kulturausschuss gibt es keine Einigkeit.

Von Yvonne Poppek

Jetzt ist der Punkt erreicht, das Geld auf der hohen Kante ist weg und der Spardruck wächst. Die Münchner Kammerspiele verfügen von der kommenden Spielzeit an über keine zweckgebundenen Rücklagen mehr. Für das Wirtschaftsjahr 2024/25 rechnet das Stadttheater mit einem „historisch einmaligen negativen Betriebsergebnis“, ein Minus von rund 1,2 Millionen Euro wird voraussichtlich stehen bleiben.

Auch für das Folgejahr wird ein Minus von rund 1,8 Millionen Euro prognostiziert. Doch wie soll damit umgegangen werden? Darüber bestand im Kulturausschuss am Donnerstag keine Einigkeit. Sollte der Eigenbetrieb der Stadt die Verluste innerhalb von fünf Jahren nicht tilgen können, muss laut Verordnung die Gemeinde ausgleichen – womit sich die Stadt München nichts gespart hätte. Also müssen Lösungen her.

In einem Finanzplan hat die Kammerspiele-Geschäftsführung Szenarien entwickelt, wie das nicht eintreten muss; sie sieht Einsparungen vor, plant aber mit etwa gleichbleibenden Zuschüssen. Denn die Krux ist, wie sie Florian Roth (Grüne) zusammenfasste: „Die Kammerspiele sind seit vielen Jahrzehnten eines der herausragendsten Häuser im deutschsprachigen Raum.“ Die finanzielle Grundlage dafür müsse erhalten bleiben, gleichzeitig sei im Zuge der Haushaltskonsolidierung aber Sparen notwendig.

Drastisches Sparen sogar, das verlangt zumindest die Stadtkämmerei in einem Schreiben an die Geschäftsführung. Rund 42 Millionen Euro Betriebskostenzuschuss würden beantragt, trotzdem bleibe ein Minus, dem Erfolgsplan sei dabei zu entnehmen, dass diese Zuschüsse 92 Prozent der Erlöse ausmachten, „lediglich 7,5 Prozent“ beruhten auf Umsatzerlösen. Dieser Hinweis rief im Gremium sowohl Zustimmung als auch Ablehnung hervor.

Gabriele Neff (FDP) erklärte, würde ein Unternehmen solche Zahlen beim Finanzamt vorlegen, dann würde dieses anmerken: „Sie gehen einem Hobby nach. Sie sind nicht daran interessiert, Gewinne zu erzielen.“ Man könne ja künstlerisch kreativ sein, aber die Kammerspiele müssten auch „zwischendurch etwas spielen, was Geld einbringt“. Auch Beatrix Burkhardt (CSU) kritisierte das künstlerische Angebot und mahnte eine Gedankenänderung an. Ob sie den beantragten Zuschüssen in den entscheidenden Sitzungen zustimmen, ließen sie offen.

Mit dieser Haltung standen ihre Fraktionen im Kulturausschuss allein. Die Redner von Grünen, SPD, ÖDP, und Linken lobten die künstlerische Ausrichtung der Kammerspiele. Sonja Haider (ÖDP) betonte, dass die großen Kulturinstitutionen sich schon immer hauptsächlich über die Zuschüsse finanzierten und nur geringfügig aus den Umsatzerlösen. Den Brief der Kämmerei bezeichnete sie als „naiv“, er zeuge von „kompletter Unkenntnis“. Eine Kämmerei müsse auch die Finanzen eines Theaters begreifen. Sie mahnte, die Stadt solle nicht ihre „Finanzprobleme auf dem Rücken unserer Kulturinstitutionen“ austragen.

„Die Kammerspiele werden immer ein Zuschussbetrieb bleiben.“

Kulturreferent Marek Wiechers lobte die Arbeit von Intendantin Barbara Mundel. Er hob hervor, dass selbst bei 100 Prozent  Auslastung die wesentliche Finanzierung bei der Stadt läge. „Die Kammerspiele werden immer ein Zuschussbetrieb bleiben.“

In Bezug auf die Stadtkämmerei betonte Wiechers, dass das Kulturreferat sich nie geweigert habe, „grundsätzliche Einsparerwartungen, die zwingend notwendig sind im städtischen Haushalt, zu erfüllen“. Man sei hier auf einem guten Weg miteinander. Wiechers bezog sich hier auch auf eine kritische Beschlussvorlage zum Sparumfang bei den Investitionen in die Kultur, die mittlerweile in die Vollversammlung vertagt wurde.

Auch die Kammerspiele, die zusammen mit der Schauburg und der Otto-Falckenbergschule den Eigenbetrieb bilden, hätten zu Einsparungen beigetragen. Der nur anteilig übernommene Tarifausgleich – was sowohl ÖDP als auch Linke kritisierten – schlägt dort beispielsweise mit rund 780 000 Euro zu Buche. Grundsätzlich würden aber Tariferhöhungen für städtisches Personal ausgeglichen. Diese Systematik sollte auch für das Theater „zum Schutz der Einrichtung“ gelten, so Wiechers. Dafür wolle er weiter werben.

Wie es weitergeht, blieb nach der Sitzung unklar: Eine tatsächliche Lösung und langfristige Planungssicherheit für Kammerspiele, Schauburg und Otto-Falckenberg-Schule zeichnet sich nicht ab.

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